Alle reden über Hitze - besonders wenn sie im Sommer so richtig 'einheizt'. Im griechischen Grundtext des NT kommt das Wort 'Hitze' nur in Apostelgeschichte 28, Vers 2 vor, in einer Geschichte über Leben oder Tod. Aber davon später.
Das Wortumfeld von THERMÄ, Hitze und Wärme, weist auf den Sommer hin, den THEROS. Die drei Texte, die den Sommer im NT erwähnen, haben mit der (Sommer-) Hitze des Gerichts zu tun (Matthäus 24,32 / Lukas 21,30 und Markus 13,28). Die Welt ist 'reif geworden' zur Ernte, dem THERISMOS, einem weiteren verwandten Wort. Lesen wir den Text von Markus 13,28 weiter bis zum Vers 31, erkennen wir die finalen Zusammenhänge von Sommer, Hitze, Ernte und Gericht.
Die Naturbilder der Evangelien übertragen die Briefe der Apostel in zwischenmenschliches Verhalten. Paulus erklärt im Galaterbrief Kapitel 6, Verse 7-10 das Verhältnis von Saat und Ernte: 'Was der Mensch sät, das wird er ernten (THERIZO)'. Aber auch Gott wird ernten, was er sät. Im Johannes Evangelium Kapitel 4, Vers 35 blickt Jesus freudig in ein wachsendes Kornfeld und sieht im Geist erntende Menschen, vier Monate im Voraus!
Die Wortverwandtschaft von THERISMOS (Ernte) oder THERIZO (ernten) mit THERMÄ (Hitze ,Wärme) erinnert uns an das bekannte Fremdwort 'Thermos'. Kennen wir nicht die 'Thermosflasche' oder andere Zusammensetzungen wie 'Thermometer, Thermostat, Thermokleidung' und ähnliche Begriffe?
Die 'Thermen', die warmen Bäder der Antike, werden noch heute gerne aufgesucht - auch aus 'therapeutischen' Gründen. Die griechischen Worte THERAPEUO (heilen) und THERAPEIA (Heilung) begegnen uns in einigen Texten wie im Lukas Evangelium Kapitel 9, Vers 11 und vor allem in der Offenbarung Kapitel 22, Vers 2.
Hitze offenbart Verborgenes.
Hitze und Wärme verändern und bringen Verborgenes ans Licht - im Gericht und bei Heilung. Die anfangs erwähnte Geschichte, die von Hitze, Tod und Leben handelt, offenbart eine verborgene Lebenskraft.
Ich skizziere sie kurz:
Paulus musste als Gefangener zum kaiserlichen Gerichtshof nach Rom gebracht werden. Das 27. Kapitel der Apostelgeschichte erzählt seine dramatische Reise, die mit einem Schiffbruch endet. Er überlebt ihn nur knapp. Am rettenden Strand einer Insel hilft er den freundlichen Einheimischen Reiser für ein wärmenden Feuer zu sammeln. Durch die Hitze des Feuers fährt eine Giftschlange aus dem Holzhaufen heraus und verbeisst sich an der Hand von Paulus. Alle erstarren...aus dem Meer gerettet und nun doch noch sterben?
Man wartet auf seinen Tod. Er jedoch schüttelte das Tier zurück ins Feuer. Warum hatte er keine Todesangst und war so unbeeindruckt? War es nicht so, weil er sich auf dem von Gott geführten Weg wusste?
Die Hitze brachte nicht den Tod, sondern offenbarte allen seine Beziehung zu einem mächtigen Gott.
