Kapitel 11

Einige beispielhafte Frauen und Ehepaare in der Schrift

Wenn wir schon gerade von den Frauen reden, wollen wir uns auch noch den beispielhaften unter ihnen widmen. Was für eine Rolle spielten zum Beispiel Frauen in Jesu' Leben? Luk. 8, 1-3 beschreibt:
"Und es geschah danach, dass er nacheinander Stadt und Dorf durchzog, indem er predigte und das Evangelium vom Reiche Gottes verkündigte; und die Zwölfe mit ihm, und gewisse Weiber, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalene, von welcher sieben Dämonen ausgefahren waren, und Johanna, das Weib Chusas, des Verwalters Herodes', und Susanna und viele andere Weiber, die ihm dienten mit ihrer Habe."

Diese Frauen "dienten ihm mit ihrer Habe", wie es im Text so schön heisst. Neudeutsch: diese Frauen bestritten seinen Lebensunterhalt, wuschen ihm vielleicht die Kleider, schauten, dass er genug ass, und kümmerten sich bestimmt auch um die zwölf Apostel.

Aber auch an anderen Stellen in der Bibel fällt auf, dass Frauen für Jesus absolut nicht Dienerinnen oder Untergebene waren. Am Samariterbrunnen offenbarte sich Jesus als Messias! Aber nicht etwa einem wichtigen Statthalter oder dergleichen. Nein, er offenbarte sich einer Frau, die kein unbeschriebenes Blatt in ihrer Gegend war:
"Das Weib spricht zu ihm: Ich weiss, dass der Messias kommt, welcher Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet." Joh. 4, 25ff.

Eine andere Geschichte erzählt uns Lukas.
In Luk. 7, 36-39 wird die Geschichte beschrieben, wo Jesus im Hause eines strengen Pharisäers von einer stadtbekannten Prostituierten gesalbt wurde. Ein Skandal! Sie wusch seine Füsse mit ihren Tränen und trocknete sie mit ihren Haaren. Die anwesenden Pharisäer waren geschockt und die untypische ("männliche"!) Reaktion von Jesus löste grosses Erstaunen aus!

"Es bat ihn aber einer der Pharisäer, dass er mit ihm essen möchte; und er ging in das Haus des Pharisäers und legte sich zu Tische. Und siehe, da war ein Weib in der Stadt, die eine Sünderin war; und als sie erfahren hatte, dass er in dem Hause des Pharisäers zu Tische liege, brachte sie eine Alabasterflasche mit Salbe; und hinten zu seinen Füssen stehend und weinend, fing sie an, seine Füsse mit Tränen zu benetzen; und sie trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes und küsste seine Füsse sehr und salbte sie mit der Salbe."

Als Fazit bietet sich folgendes an: Jesus war androgyn und das merkten natürlich die Frauen! Eine heisse Aussage - aber durchaus realistisch...

Jesus hat sich nämlich auch nach seiner Auferstehung zuerst einer Frau geoffenbart. Die Frauen waren auch die einzigen Freunde unter dem Kreuz (mit dem jugendlichen Jünger Johannes), die ihn bis zum letzten Moment hautnah begleitet haben; weshalb sollten sie also nicht auch die ersten sein beim neuen Lebensbeginn / der Auferstehung? Die Frauen taten noch Jesu Leichnam Gutes - sie liebten ihn über den Tod hinaus. Und: noch am Kreuz denkt Jesus an seine Mutter und bittet Johannes, dass er für sie sorge.

Ab dem ersten Kapitel der Apostelgeschichte sind die Frauen immer mit dabei, nicht wie in den Evangelien, wo man sie in den Texten mehr „suchen" muss. Von nun an sind es Frauen und Männer, Männer und Frauen die sich bekehren, die miteinander das Reich Gottes erleben und gestalten.

Auch die Geistesgaben sind immer für Männer und Frauen da! In Apg. 2, 16-18 lesen wir:
"Sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist: Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geiste ausgiessen werde auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure Jünglinge werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben; und sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geiste ausgiessen, und sie werden weissagen."

Die Frau gehört auch in der Gemeinde dazu, sie wird nicht ausgeschlossen. Dieses wird uns in 1. Kor. 11, 3 aufgezeigt:
"Ich will aber, dass ihr wisset, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, des Weibes Haupt aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott."

Einmal mehr eine riesige Verantwortung, die dem Mann obliegt. Christus und Gott werden wohl kaum Probleme haben, auf eine gute, förderliche Art Haupt zu sein. Wie aber nimmt der Mann diese Aufgabe wahr? Vermittelt er auch das richtige und in welcher Art und Weise tut er dies?

Die Frau wird hier ganz selbstverständlich als in der Gemeinde prophetisch redend aufgeführt; was wiederum ja auch mit lehrhaftem Inhalt zu tun hat (vergleiche dazu das Kapitel zum sogenannten Lehrverbot der Frau)...

1. Kor. 11, 5: "Jedes Weib aber, das betet oder weissagt mit unbedecktem Haupte, entehrt ihr Haupt; denn es ist ein und dasselbe, wie wenn sie geschoren wäre."

Was genau aber heisst denn prophetisch reden? (Verlgeiche auch Seite 90 "Ist der Frau erlaubt zu lehren?")

Nach 1. Kor. 14, 3:

1. aufbauend lehren, d.h. reden mit aller Darstellungskunst und korrigierend auf das "Lebenshaus" des Hörers einwirken

2. ermutigen, beistehen

3. trösten, mit Worten, Geschichten, d.h. besonders aus dem Leben und der Märchensymbolik erzählen.

Und dies wird weder dem Manne noch der Frau verwehrt...

----------------------------------

Priszilla und Aquila, Ehepaar

Röm.16,3: "Grüsset Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christo Jesu."

Da Priszilla zuerst genannt wird, ist es möglich, dass sie ihrem Gatten eine "Nasenspitze" voraus ist und somit "Chef" in der Lehre unter der Abdeckung ihres Mannes ist.
1. Kor. 16, 19: "Es grüssen euch die Versammlungen Asiens. Es grüssen euch vielmal im Herrn Aquila und Priszilla, samt der Versammlung in ihrem Hause."
"Es grüssen euch Aquila und Priszilla..." Er als "Hausherr" übernimmt die Verantwortung für die Grüsse und sie grüssen auch mit der Gemeinde, der er, Aquila, vorsteht. Da ist er der Chef und seine Frau seine Ergänzung.

Eine weitere interessante Stelle finden wir in 1. Tim. 5, 1-2:
"Einen älteren Mann fahre nicht hart an, sondern ermahne ihn als einen Vater, jüngere als Brüder; ältere Frauen als Mütter, jüngere als Schwestern, in aller Keuschheit."

1. Tim. 5, 1-2 und folgende redet von Ältesten und Ältestinnen (V. 2 griech. PRESBYTERAS). Oft wird, wie auch in dieser Übersetzung, "ältere Männer und ältere Frauen", die "Alten" daraus gemacht. 1. Tim. 5, 17 kommt im "roten Faden" des ganzen Kapitels wieder auf die "Ältesten" zurück: "Die Ältesten, welche wohl vorstehen, lass doppelter Ehre würdig geachtet werden, sonderlich die da arbeiten in Wort und Lehre."

Seltsam, dass hier fast alle übersehen und nicht "konkordant" (das heisst "übereinstimmend") mit ihrer Wortwahl aus VV. 1-2 übersetzen...

Darf es "theologisch gesehen" keine "Ältestinnen" geben??

----------------------------------

Phoebe, eine ganz besondere Frau...

Röm. 16, 1-2: "Ich empfehle euch aber Phoebe, unsere Schwester, welche eine Dienerin der Versammlung in Kenchreä ist, auf dass ihr sie in dem Herrn, der Heiligen würdig, aufnehmet und ihr beistehet, in welcher Sache irgend sie euer bedarf; denn auch sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst."

Phoebe scheint eine ganz besondere Frau gewesen zu sein: "...denn auch sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst."

Das Wort "Beistand" heisst im griechischen Urtext PROSTATIS = Vorsteherin (vgl. Prostata = Vorsteherdrüse). Dieses griechische Wort kommt im NT nur einmal vor, nämlich hier im Bezug auf Phoebe.

Im attischen Recht der alten Griechen Athens bezeichnete dieses Wort eine besondere Stellung einer Person, die Leuten vor- und beisteht, welche das Bürgerrecht nicht haben, und sie in allen Rechtsgeschäften vertreten und abschirmen darf.

PROSTATIS wird nicht nur gebraucht im Sinne von Helferin, sondern vor allem im Sinne von Vorsteherin, Anführerin, Oberhaupt.

Das heisst, Phoebe hatte einen hohen Regierungstitel. Es ist ein besonderes Vorrecht, diesen Titel zu tragen, da er weit höher ist als z.B. der eines Bischofs. Dies wiederum bedeutet, dass Paulus unter Phoebe stand. Sie stand ihm vor. Und: sie war in der Gemeindearbeit dementsprechend hoch angesehen, und dennoch "in deren Dienst". Eine demütige Frau - in dieser Hinsicht Vorbild aller "Diakonissen"!

Wenn wir schon von besonderen Frauen sprechen, sollte doch diese eine nicht fehlen: Maria. Doch dieses Mal aus einer etwas anderen Sicht...

----------------------------------

Marias vorbildlicher Glaube

Maria - ein Wagnis, etwas über sie zu schreiben! 2000 Jahre lang entstand Literatur über sie, aus allen möglichen Quellen, nicht zuletzt auch entstanden aus den marianischen Erscheinungen aller Jahrhunderte seit der frühen Kirche.

Maria - eine Heilige, eine Himmelskönigin, die sich doch immer wieder dem "niederen" Volke offenbart, meist Jugendlichen oder Tiefreligiösen (Voraussetzung: katholisch sein, bei Evangelischen scheint sie sich nicht zu zeigen).

Maria - eine Umstrittene. Ein rotes Tuch für die meisten Reformierten-Evangelischen, noch mehr für die Evangelikalen aller Couleur, Unverständnis, gar Abscheu. Bei Moslems ist sie ungleich besser angesehen, spricht doch der Koran positiv von ihr (unterstützt die Jungfrauengeburt Jesu!).

Maria - das Vorbild der Kirche, ja ein Bild der Kirche selbst. Glorifiziert, aber auch leidend.

Wir nähern uns einer anderen Sicht:
Maria - als Vorbild einer Glaubenden...doch nun im biblisch-orientierten Versuch, den Weg vom "Sünder" zum "Heiligen" anhand Marias Beispiel zu gehen, nicht von einer "irdisch Heiligen" zu einer "himmlisch Heiligen".

Marias Leben fängt an, wie das aller Menschen - kaum angefangen, schon erlösungsbedürftig! In Lk. 1, 47 freut sie sich, dass sie einen Erlöser (SOOTÄR) hat:
"Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heilande."

Erlöst von was? - Von Sünde und Tod, wie alle Menschen darunter leben und leiden. Von ihrer Herkunft her war sie vermutlich aus dem Stamme Levi, wie ihre Verwandte Elisabeth.

"Es war in den Tagen Herodes', des Königs von Judäa, ein gewisser Priester, mit Namen Zacharias, aus der Abteilung Abias; und sein Weib war aus den Töchtern Aarons, und ihr Name Elisabeth." Lk. 1, 5

"Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch mit einem Sohne schwanger in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat bei ihr, welche unfruchtbar genannt war; denn bei Gott wird kein Ding unmöglich sein." Lk. 1, 36

Sie wuchs in Nazareth auf und man nimmt an, dass sie ziemlich jung war, als ihre Geschichte in der Bibel mit dem Besuch des Engels Gabriel begann: "Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt von Galiläa, mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die einem Manne verlobt war mit Namen Joseph, aus dem Hause Davids; und der Name der Jungfrau war Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüsst, Begnadigte! der Herr ist mit dir; gesegnet bist du unter den Weibern!" Lk. 1, 26-28
Eben - "Begnadigte, Beschenkte, Angenehm-gemachte", dies war die Grundlage Gottes mit ihr. Es ist der Anfang aller, die ein Glaubensleben beginnen: die Begnadigung Gottes. Gott wendet sich zu uns, und wir reagieren indem wir uns erretten lassen und an den Erlöser glauben - wie Maria den Erlöser empfangen sollte.
Maria - die "Angenehm-gemachte" (KECHARITOOMENÄ)

War sie eventuell gar nicht so angenehm vorher, in ihren eigenen Augen oder in denen der Mitmenschen?

Dazu etwas aus der biblischen Namensgebung:
Namen hatten im Altertum stets eine grosse Bedeutung. In der Bibel werden oft Namen bei Geburten aus Gründen des Aussehens (Esau, 1. Mo. 25, 25), des Verhaltens (Jakob, 1. Mo. 25, 26), der Lebensumstände (1. Sam. 4, 21), als Zeichen Gottes (Hos. 1, 4) gegeben, aber auch als vorausgesagtes oder empfundenes Lebens- und Charakterbild.

"Und der erste kam heraus, rötlich, am ganzen Leibe wie ein härener Mantel; und man gab ihm den Namen Esau. Und danach kam sein Bruder heraus, und seine Hand hielt die Ferse Esaus; und man gab ihm den Namen Jakob." 1. Mo. 25, 25-26

"Und sie nannte den Knaben Ikabod, indem sie sprach: Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen!" 1. Sam. 4, 21a

"Und Jehova sprach zu ihm: Gib ihm den Namen Jisreel; denn noch um ein Kleines, so werde ich die Blutschuld von Jisreel an dem Hause Jehus heimsuchen und dem Königtum des Hauses Israel ein Ende machen." Hos. 1, 4

Esau heisst der Behaarte, Jakob bedeutet der Fersenhalter oder der Überlister, Ikabod wird mit Nicht-Herrlichkeit übersetzt und Jisreel steht im Hosea als Symbolname für Israel.

Negative Menschen erhielten schon aussagekräftige Namen, bevor sie erwachsen waren, siehe Nabal, der "Narr" (1. Sam. 25, 25). Namen sind Prophetien, bewusst ausgesprochen wie bei Adam. Er nannte seine Frau "Eva" (=Leben, Mutter des Lebens). Namen bedeuten viel - wie bei fast allen Menschen in der Bibel und bei Millionen in unserer Zeit. Deshalb ist Marias Name bedeutungsvoll.

----------------------------------

Was heisst "Maria"?

Es dürfte eine Anlehnung an die biblische Miriam sein, da man ja oft Vorbilder vor Augen hatte. Miriam, die Schwester von Mose und Aaron. Ein gutes Namenslexikon erklärt: "Miriam = die Dicke. Bitteres Meer. Grosser Ungehorsam, Widerspenstigkeit, Rebellion, Betrübnis."

Schöne Bedeutungen!!

Bei "Maria" steht es natürlich, (als griechisches Lehnwort von hebr. "Miriam") ziemlich ähnlich:
"Maria = die Bittere, Bitterkeit des Meeres, widerspenstig, ungezähmt, ungehorsam, Betrübtheit...und - erhöht".

Schliessen wir nun von Namen auf den Charakter oder die Lebensprägung, dann haben wir alles andere als eine Heilige!! Eher genau das Gegenteil... doch auf eine solche Idee kommen die Marienverehrer natürlich nicht...

Eigentlich schade, denn es spricht für Maria und besonders für den üblichen Weg Gottes mit den Menschen, die er errettet.

Maria war nicht "angenehm". Wer von uns ist es schon in seinen tiefsten Charakterzügen oder gar in Gottes Licht? Doch sie wurde von Gott „angenehm gemacht" und so angesprochen von Gabriel. War nicht Paulus zuerst ein "Saulus"? Kennen wir nicht unzählige Lebensgeschichten von Menschen, die von finsteren, egoistischen Wegen umkehrten und Wohltäter, Gottes Menschen wurden?

Das berühmteste Dichterwerk der Weltgeschichte, Dantes "Göttliche Komödie", beschreibt seine Umkehr vom "Inferno" über das "Purgatorio" zum "Paradiso" in epischer Tiefe... . Warum sollte Maria, die Mutter des Erlösers, diesen göttlichen Weg von "unten nach oben" durchbrechen?

Sie selbst scheint sich dessen wohlbewusst zu sein: Im berühmten Lobgesang (Magnifikat) in Lk. 1, 46-55 hebt sie (V. 47-48) hervor, dass Gott der Retter ihre "Niedrigkeit" ansah und sie von dort ihren Gang in die Geschichte nehmen würde und so "glückselig von allen Geschlechtern gepriesen" zu werden. Wenn Gott so "Grosses" (V. 49) an ihr tat, muss sie wohl recht "klein" in ihren eigenen Augen gewesen sein...

Es wird oft so ausgedrückt, dass Maria "schwanger vom Heiligen Geist" wurde und dann Jesus gebar. Was sagt der Text bei Lk. 1, 35 hier genau?

"Heiliger Geist wird über dich kommen, und das kraftvolle Wirken (DYNAMIS) des Allerhöchsten wird dich über(auf)schatten, darum wird auch das Heilig-Gezeugte Sohn Gottes genannt werden."

Wenn Jesus den Vater im Himmel "Vater" nennt, dann muss auch dieser Vater sein Vater sein. Der Heilige Geist schuf Raum (schuf das Ei in Maria oder erfüllte Marias Ei) zur Zeugung, einen heiligen Raum, ein heiliges Ei in einem heiligen Raum und dieses wurde vom Vater befruchtet. So war Gott der Vater und der Heilige Geist die Mutter und Jesus der Sohn.

Marias Teil daran war, eine sichtbare, fühlbare Mutter eines "echten Menschensohns" zu sein. Oder, härter ausgedrückt: eine Art "Leihmutter"!

Gott zeugt Gottes Sohn im Mensch Maria, nicht durch Mithilfe des Menschen Maria. Somit wurde Jesus Mensch, weil er den "letzten Menschen", „den zweiten Menschen", den "zweiten Adam" darstellte: "So steht auch geschrieben: "Der erste Mensch, Adam, ward eine lebendige Seele"; der letzte Adam ein lebendig machender Geist." 1. Kor. 15, 45. Er kam auf die Welt ähnlich wie Adam, ohne menschlichen Mutter-Teil, wohl aber durch eine menschliche Mutter (bei Adam: „Mutter Erde"?).

Matthäus nennt es so, dass Maria "aus (nicht "von dem"!) Heiligem Geist schwanger" war, eigentlich "im Bauch (etwas) hatte": "Die Geburt Jesu Christi war aber also: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Joseph verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger erfunden von dem heiligen Geiste."

Dies alles tönt recht kompliziert. Die Kirchen im Westen der Welt haben sich für ein einfacheres Lehr-Modell entschieden: "Jesus = ganzer Gott und ganzer Mensch" und meinen damit "ganzer Gott" = seine Herkunft von Gott und „ganzer Mensch" = seine Herkunft von Maria.

Im christlichen Osten der Welt scheint man eher das Lehr-Modell "Jesus = ganzer Gott in echter menschlicher Gestalt" vorzuziehen.

Das Problem liegt in der sündigen Natur des Menschen, aus der nichts Heiliges, Sündloses kommen kann: "Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein; wasche mich, und ich werde weisser sein als Schnee." Ps. 51, 7

"Was nun? Haben wir einen Vorzug? Durchaus nicht; denn wir haben sowohl Juden als Griechen zuvor beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde seien, wie geschrieben steht: Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig sei; da ist keiner, der Gott suche. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tue, da ist auch nicht einer." Röm. 3, 9-12

"Wie könnte ein Reiner aus einem Unreinen kommen? Nicht ein einziger!" Hiob 14, 4

Wenn Jesus zu 50% von einer sündigen Maria kommt und zu 50 % von einem sündlosen Gott, dann gibt's theologische Probleme. Also hat man in der katholischen Kirche Maria nach und nach dogmatisch (= kirchenlehrmässig) höher angesetzt: 1854 von Papst Pius IX wurde sie von der Erbsünde freigesprochen und 1950 verkündete Pius XII ihre Himmelfahrt mit Leib und Seele.

(Die Glaubenssätze von Marias immerwährender Jungfrauschaft VOR, IN und NACH der Geburt Christi fallen in dieser Betrachtung weniger ins Gewicht.)

Doch Maria hat grossen Verdienst - sie bot Jesus die menschliche Wärme einer Mutter, sie bot Schutz, Verständnis und (mit Josef) Erziehung.

Zurück zur Maria - als Vorbild einer Glaubenden.

Ihre Verwandte Elisabeth ruft aus: "Und glückselig, die geglaubt hat, denn es wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu ihr geredet ist!" Lk. 1, 45

Und der wohl entscheidenste Moment war, als sie zu Gabriel sagte: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Worte." Lk. 1, 38

Da Gott die "Glaubensmitarbeit" sucht und uns Menschen die Willensfreiheit gab, war dieses JA Marias ein sehr mutiger Schritt. Sie riskierte den Verlust ihrer Beziehung zu ihrem angetrauten Mann, den Verstoss aus Familie und gesellschaftlichem Umfeld, gar öffentliche Anklage, Verurteilung am Pranger! Diese junge Frau glaubte Gott, sie vertraute auf Gottes Handeln mit / an ihr, auf seine Treue. Darin ist sie allen Menschen ein Vorbild geworden, besonders den Gläubigen, die ja die universale Kirche bilden. Die Kirche gruppiert sich um Christus, den Erlöser, die Gläubigen haben Christus in sich. Die Kirche, die Gemeinde, ist das Bild der Ehefrau des "Mannes" Jesus Christus. Eph. 5, 23-32 und 2. Kor. 11,2 als bekannte Texte zu diesem Bild.

"Denn der Mann ist das Haupt des Weibes, wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist; er ist des Leibes Heiland. Aber gleich wie die Versammlung dem Christus unterworfen ist, also auch die Weiber ihren Männern in allem. Ihr Männer, liebet eure Weiber, gleich wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, auf dass er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, auf dass er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei. Also sind auch die Männer schuldig, ihre Weiber zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer sein Weib liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, gleich wie der Christus die Versammlung. Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleische und von seinen Gebeinen. "Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein." Dieses Geheimnis ist gross; ich aber sage es in Bezug auf Christum und auf die Versammlung." Eph. 5, 23-32

"Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Manne verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau dem Christus darzustellen." 2. Kor. 11, 2

Unser Glaubensweg ist gut vergleichbar mit dem Werden Jesu in der Maria:

1. Wir sagen "JA" zu Gottes Erlösungsangebot (wir „bekehren uns").

2. Wir werden dadurch "von oben gezeugt" Joh. 3, 7...

2. ...oder "Teilhaber der göttlichen Natur" 2. Petr. 1, 4.

4. Eben - eine neue Schöpfung - es ist ein Neues geworden: "Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden." 2. Kor. 5, 17

Es war noch nie in der Menschheit etwas "so Neues" geworden, wie als Jesus in Maria entstand!

Es gibt keinen hoffnungsvolleren Neuanfang in einem Menschenleben, als wenn jemand sich aufrichtig zu Gott wendet, indem er Jesus Christus als persönlichen Erlöser in sein Leben aufnimmt.

Der Weg des Glaubenden fängt beim Kreuz an und endet unter dem Kreuz. Die Auferstehung kommt nach dem Tode. Das grösste Wunder ist die Menschwerdung Gottes. Der grösste Sieg die Auferstehung Jesu. Das Neugezeugte in uns kann nicht im Tode bleiben. Es muss auferstehen, um in Herrlichkeit weiterzuleben (=ewiges Leben).

Die Glaubenserfahrungen zeigen es hier schon im Erdenleben: wie vieles muss absterben, kaputtgehen, misslingen - um dann doch oft (in anderer Form) weiterzuleben!

Maria blieb durch Jesu Tod hindurch treu. Somit wird sie auch unter den 120 Männern und Frauen erwähnt, die zusammen 10 Tage nach der Himmelfahrt Jesu ausharrten, um Pfingsten, die Ausgiessung des Heiligen Geistes, zu erleben. Wieder war eine Zeit erfüllt! Gal. 4, 4 wurde durch Maria erfüllt, Apg. 2, 1 ff. wurde in Maria erfüllt! Nun durchlief sie die Geburt Jesu in ihr noch einmal - nun geistlich, nun zur Festigung ihres Heils, nun zur Fülle des innewohnenden Jesus durch den Heiligen Geist.
Welch ein Leben! Welch ein Beispiel für uns! Welch ein Glaubensleben!

----------------------------------

Fragen an Mann und Frau

1. Sehe ich die Parallelen von Marias Leben auch in meinem Leben? Nenne einige Punkte:

Mein Leben:

Marias Leben:

2. Habe ich, nach meinem "JA" zu Jesus, "Er muss wachsen, ich muss abnehmen"-Erlebnisse gegemacht? Welche?

3. Stelle ich mich ganz bewusst unter Gottes Willen mit allen möglichen Konsequenzen? Wenn nicht, tue es jetzt mit einem Gebet und erneuere es von Zeit zu Zeit!

4. Gott sieht dich "unten", um dich nach "oben" zu führen. Erkennst du auch "unten" die bebedingungslose Liebe Gottes für dich?

JoomShaper