Woher kommt das Böse?

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Woher kommt das Böse - im Kosmos und in mir?

Das Böse fasziniert die Menschen seit Adam und Eva. Das Böse bezaubert. Es "verhext" durch sein schillerndes und viel versprechendes Erscheinungsbild. Sogar Jesus (Gott selbst) wurde damit von Satan in der Wüste versucht. Das oder der Böse übt seine Faszination mit allen Mitteln und überall aus. Sein Ziel ist immer, uns „besseres Leben" anzubieten, um uns vom wirklichen Leben wegzulocken. Eins ist sicher: Wir können das Böse nicht aus der Welt schaffen. Aber wir können lernen, seine Taktik besser zu erkennen, am richtigen Ort zu kämpfen und in unserem Leben das Böse mit Jesu Hilfe zu überwinden ! Ein vertiefter Blick in biblische Offenbarung, woher das Böse kommt und wie es an uns Menschen wirkt, war mir selbst eine grosse Hilfe.

Der Ursprung des Bösen im Kosmos

Gehen wir von dem aus, was klar ist: Gott ist absolut gut (Matthäus 19,17), er ist Licht durch und durch (1.Johannes 1,5), und er ist vor allem Liebe (1.Johannes 4,16). Darin sind sich die meisten Christen einig. Deshalb sieht die biblisch orientierte Theologie den Ursprung des Bösen ausserhalb von Gott, in der geschaffenen Welt (der Engel). Man glaubt an ein Rebellionsszenario, das sich vor langer, langer Zeit abspielte - biblisch eingeordnet wohl zwischen den Versen 1.Mose 1,1 und 1.Mose 1,2. Denn man kann sich nicht vorstellen, dass die ursprüngliche Schöpfung Gottes aus einem "Wüst und Leer" (hebräisch TOHU WA BOHU) geschaffen wurde . Also musste was geschehen sein zwischen den beiden Versen! Jeremia 4,23-26 (wo TOHU WA BOHU nochmals vorkommt) und Jesaja 45,18 (wo TOHU gebraucht wird) stützen diese Ansicht. So sind sich viele Christen einig, dass es einmal eine Zeit gab, in der alles noch heil war, in der "alle Gottessöhne miteinander sangen" (Hiob 38,7). Diese singenden Gottessöhne scheinen Engelchöre zu sein. Gottessöhne sind alle Wesen in der Schrift, die keinen irdischen Vater haben:

- Jesus (Markus 1,1),
- gute und böse Engel (Hiob 1,6),
- Adam (Lukas 3,38),
- Menschen, die durch den Glauben an Jesus zur geistlichen Neugeburt gelangt sind (Römer 8,14).

Was zerstörte diese Einheit der "Gottessöhne"?

Skizzieren wir einmal die volkstümliche Version, die unter Christen mehr oder weniger so vertreten wird: Eines Tages, in grauer Vorzeit, dachte der herrliche Engelfürst Luzifer, dass er eigentlich noch herrlicher werden wollte. Und neidisch auf Gott schielend so sein wollte wie ER, überaus herrlich und mächtig. Er fing an, hinter dem Rücken des guten, ahnungslosen Gottes eine Rebellion anzuzetteln. Als er ein Drittel aller mächtigen Engel auf seiner Seite hatte, schlug er los, um Gott zu stürzen oder wenigstens als Mitregent von Gott anerkannt zu werden. Er verwandelte den Kosmos in ein Schlachtfeld. Doch er verlor den Krieg und wurde vom erbosten Gott in die Hölle geworfen. Dort regiert er seitdem mit all seinen Engeln, die wie er, zu Dämonen wurden. Von dort verführt und plagt er alle Menschen und alle Schöpfung bis zum jüngsten Gericht. Er selbst fühlt sich recht wohl in seinem Element, feiert wüste Feste in "seiner" Hölle, darf sein Reich regieren und die dorthin verdammten Menschen quälen, bis in alle Ewigkeit.

Wie sieht die "biblischere" Version der Katastrophe aus?

Eines Tages (Hes.28,15), in grauer Vorzeit, fing die Überhebung des Herzens vom "Glanzstern, dem Sohn der Morgenröte" an (Jesaja 14,12). Er gedachte über allen Engeln (= die Sterne Gottes, Jesaja 14,13) zu thronen, in gleicher Position des Höchsten (Jesaja 14,14). Dadurch verlor er an Weisheit und Glanz . In der Selbstbetrachtung seiner eigenen Schönheit wollte er aber nicht umkehren, - und Gott liess ihn gewähren. Gott zog sich mit seinem Licht zurück. Und trauerte dabei . Der Glanzstern fiel aus dem Himmel, er konnte im Lichte Gottes nicht mehr leben. Er musste in die Atmosphäre des Kosmos , in den Lufthimmel hernieder (Epheser 2,2). Von hier aus konnte er nun über die Engel, die mit ihm fielen (Offenbarung 12,4) herrschen. Als Gott den Menschen schuf und ihm die Herrschaft über die Erde gab, betrog dieser ehemalige Glanzstern den Menschen und nahm ihm diese Herrschaft weg . Der Glanzstern verlor seinen Namen und wurde nun unter anderem Satan genannt (Offenbarung 12,9). Er wird diese Welt regieren bis Jesus Christus ihn bei seiner Wiederkunft entmachten und ihn für 1000 Jahre ins Gefängnis wirft. Dann wird er nochmals für eine kurze Zeit auf Erden die Menschen verführen dürfen, bevor er sein endgültiges Schicksal als Satan im Feuer– und Schwefelsee finden wird.(Offenbarung 20,3.7-10). Er regiert dann niemand mehr und quält auch niemanden mehr, da er ja selbst ein Gerichteter ist!

Wo liegen die Unterschiede?

Erstens: Gott kann nicht überrascht werden von einer Rebellion. ER ist allwissend und allgegenwärtig. Es kann nichts "hinter seinem Rücken" geschehen. Zweitens: Satan herrscht nicht in der Hölle. Satan herrscht in der Luft (Epheser 2,2). Von dort aus beeinflusst er das Weltgeschehen, bis er im Feuersee sein Ende finden wird. Drittens: Gott hat keinen Gegenspieler, ER ist mit nichts zu vergleichen. Satan ist "nur" ein Geschöpf! Auch er kann nichts ohne Gottes Zulassung machen. Gott bleibt der Allerhöchste und Unvergleichbare. - Und doch bleibt die Frage: Wie müssen wir uns das vorstellen, dass das Böse, der Satan, aus Gott kommt oder gar von ihm geschaffen wurde?

Wie kann aus Licht Finsternis kommen?

Laut Jesaja 45,6-7 sagt Gott von sich: "Ich bin der HERR und sonst ist keiner - der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe..." Wie ist das nun zu verstehen, wenn andere Stellen sagen: "Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis" (1.Johannes 1,5)? Wie kann aus Licht Finsternis kommen? Nach jahrelangem Forschen und durch genaues Beobachten meines eigenen Herzens kam ich zu folgendem Ergebnis: Finsternis entsteht durch Rückzug des Lichts! Das heisst: Weil Luzifer anfing, seine eigene Herrlichkeit mit der Herrlichkeit Gottes zu vergleichen, entstand in seinem Herzen eine falsche Selbsteinschätzung . Andererseits hat Gott schon immer jedes Geschöpf wirklich respektiert und ernst genommen, - so wie ich es bis heute in meinem eigenen Leben erlebe. Also zog sich Gott in dem Masse aus dem Innenleben Luzifers zurück, wie Luzifers Gedanken über seine eigene Herrlichkeit zunahmen und die Stellung und Herrlichkeit Gottes aus seinem Innenleben verdrängten. Das Licht, das allen Geschöpfen gegeben wird, zog sich zurück . Luzifer wurde zum Satan, weil er Lukas 11,35 nicht berücksichtigte: "Siehe nun zu, dass das Licht, welches in dir ist, nicht Finsternis ist". Als sich Gott ganz zurückgezogen hatte, war der ehemalige Lichtengel ganz in Finsternis und somit ein „ganzer Satan". So konnte ich endlich Gottes Aussage durch den Propheten Jesaja verstehen: "Ich bilde das Licht (es fliesst von Gott aus) und schaffe die Finsternis" (indem sich Gott willensmässig zurückzieht, um des Geschöpfes freien Willen zu respektieren).

Wie wirkt das Böse im Menschen - also in mir?

Jakobus geht der Frage nach dem Bösen im Menschen auf den Grund: „Woher kommen Kriege und Streitigkeiten unter euch? Nicht daher, aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten (4,1)? In uns, am besten spreche ich gerade von mir selbst, findet also ein Hin-und-Her statt, das im Griechischen "EK TON HEDONON" genannt wird, also genauer „aus den Lüsten, Vergnügungen, Freuden". Das Böse in mir kommt offenbar aus unerwarteter, "lustvoller" Ecke hervor - ist dies etwa die verführerische Frucht, derjenigen aus dem damaligen Paradies vergleichbar? Heute spricht man gar von einer hedonistisch geprägten Gesellschaft, also einer, die hauptsächlich ihr Vergnügen sucht. Das Böse erstickt das Gute in mir, indem es mich beschäftigt mit dem Drang nach Vergnügen und Zerstreuung . Nun gilt auch hier die oben erwähnte Stelle aus Lukas 11,35: "Sieh zu, dass das Licht in dir nicht Finsternis sei" - mit anderen Worten: "...dass sich nicht das Gute (Licht) zurückziehe, weil das Böse (Finsternis) in Gestalt von Sorgen, Reichtum und Vergnügungen überhand nimmt !"

Ein Tod bringender Vorgang

Jakobus hat noch ein andere Beobachtung niedergeschrieben (1,14-15): "Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod."

"Fortgezogen" heisst genauer "herausgezogen". Und "gelockt" bedeutet genauer: "geködert". Ich werde von meinen Lüsten aus meinem festen Stand in Gott herausgezogen und dies mittels eines Köders, also mit etwas, das mir sehr begehrenswert erscheint. Der genaue griechische Text spricht dann vom Schwangerwerden der Lust (sie "empfängt"!), die als Folge die Sünde gebiert, wie eine richtige Geburt. Aber wenn die Sünde "vollendet" ist, kommt ein „Stück Tod" zu mir. Sündigen ist also ein langsamer Vorgang, der noch einige Zeit zu stoppen wäre. Richtige Finsternis kommt erst mit dem jeweiligen Vollenden der Sünde. Verharre ich in der Sünde, sterbe ich immer mehr - bis eines Tages zum Tode meines ganzen Wesens. Nur Reue und Umkehr zu Jesus Christus und seiner Vergebung stoppt diesen Prozess. "Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christo Jesu, unserem Herrn." (Römer 6,23)

Tod und Teufel – oder: Wer ist der grösste Feind?

Ist Satan der Mächtigste unter den Bösen? Unter den Bösen ja, denn ist ein "Menschenmörder" von Anfang an (Johannes 8,44). Aber er ist nicht der Mächtigste in der Hierarchie der Finsternis. Dies ist der Tod. Auch der Tod ist eine Person, ein Geistwesen, nicht nur ein Zustand (Offenbarung 20,14; 6,8; 1.Korinther 15,25-26). Besonders die Stelle aus 1.Korinther 15,26 zeigt des Todes Stellung auf: "Als letzter Feind wird der Tod weggetan." Der "letzte" Feind ist der, der am längsten Jesus, Gott, widerstehen kann. Der letzte ist der Mächtigste. Doch auch dieser wurde besiegt: Zuerst am Kreuzespfahl "de jure"(= vom Gesetz her) und dann, eines Tages "de facto"(= von den Fakten, der Realität her) . Wenn man sich vor Augen hält, dass der Teufel, der Satan, alles nur erdenklich Böse und Schlechte tut und vor allem mordet und tötet, das heisst dem Tode zuführt, dann kann man die Stelle aus Hebräer 2,14 auch anders lesen als üblich. Es steht dort: "...auf dass er (= Jesus) durch den Tod den zunichte machte, der die Macht des Todes hat, das ist der Teufel..." Übliches Verständnis - ich hatte noch nie eine andere Meinung oder Kommentar gelesen als dass hier der Teufel den Tod "benützt". Aber angenommen, dass der Tod der mächtigste Feind ist, verstehe ich, dass der Teufel die Macht vom Tod erhielt. Der Tod gab sie ihm. Und lässt sich nun "bedienen" durch Satan und seine Engel, die Dämonen.

Obwohl für uns vielleicht schwer vorstellbar: Der Tod war auch einmal unter den jubelnden "Gottessöhnen" (Hiob 38,7), wie wir anfangs dieser Studie lasen. Auf ihn trifft der "Werdegang" vom Licht zur Finsternis ebenso zu wie beim Satan. Hesekiel 28,11-19 würde fast besser auf den Fall dieses königlichen Geistwesens passen, das zum Tod wurde. Denn Vers 18 spricht vom "zur Asche werden" . Man kann sich den Tod als eine Art "König des Lebens" vor seinem Fall vorstellen, weil er ja zum Gegenteil, dem "Tode", durch seinen Fall mutierte (= sich veränderte). Er muss Jesus sehr nahe gestanden haben, da er im Hohelied 8,6 an Kraft der Liebe gleichgestellt wird! Als ich dies verstand, lief es mir erst kalt den Rücken hinunter - und dann warm ins Herz hinein -, denn ich verstehe nun den Sieg Jesu umso besser: Die Liebe, die das wahre Leben ist, siegte deshalb, weil sie sich in den Tod hinein begab, sich quasi vom Tode "fressen" liess, besiegen liess! Aber der Tod konnte das Leben, die Liebe, Jesus Christus nicht in sich halten - er musste diesen "zu unverdaubaren Brocken" wieder herausgeben: Jesus kam vom Tod heraus, in die Auferstehung (vergleiche Apostelgeschichte 2,24), und gleichzeitig wurde der Tod besiegt!

Wie gross ist doch Gott, der Herr! Und wie weise! Und wie dankbar darf jeder sein, dem der Glaube an diesen Gott geschenkt wurde! Denn er ist dadurch befähigt worden, das Böse mit Jesus und der Kraft seines Wortes zu überwinden (1.Johannes 2,14)!

 

"Faszination" laut Duden heisst "Bezauberung" und kommt aus dem Lateinischen fascinatio = Beschreiung, Behexung. Im griechischen NT-Urtext kommt das Wort bezaubern in Galater 3,1 (griech. baskaino, lat. fascinare ) diesem Ausdruck am nächsten. Lukas 4,5-6 Das Böse kommt auf den ersten Blick nicht böse, sondern herrlich und edel daher: "...denn selbst der Satan verstellt sich zu einem Engel des Lichts." (2. Korinther 11, 14) "Denn seine Gedanken sind uns nicht unbekannt." (2. Korinther 2,11) Man folgert aus den Bibelstellen Jesaja 14,12-14 und Lukas 10,18 den Fall des "Erzengels Luzifer", des "Lichtträgers", der somit zum "Satan" wurde und laut Offenbarung 12,4 ein Drittel aller Engel mitriss, die sich von ihm verführen liessen. "Und die Erde war (oder wurde) wüst und leer..." (1. Mose 1,2) Vieles in dieser Geschichte basiert auch auf kirchlich geduldeten Erzählungen oder Predigten über oberflächlich interpretierten Bibelstellen wie Jesaja 14,12-15 / Hesekiel 28,12-17 / Offenbarung 12,7-9 und 20,11-15 / Matthäus 25,41 und anderen. Hesekiel 28,17 - Fussnote unrev. Elberfelder Übersetzung Vergleiche Hesekiels Klagelied im Kapitel 28,11-12, das er von Gott aus anstimmen soll! Kosmos ist die Welt oder dieses Weltzeitalter, Johannes 12,31; 14,30; 16,11 1.Mose 1,28; Psalm 8,5-9; 1.Mose 3,1-7; Matthäus 4,8-9 "Hölle" ist ein falscher Name für den Hades, dessen schlimmster Teil "Feuersee" heisst (Offenbarung 20,14). Der Feuersee scheint jedoch bis Offenbarung 20,10 noch leer zu sein. Die Texte aus Hesekiel 28,11-19 und Jesaja 14,12-14, die zwar äusserlich den König von Babel (bei Jesaja) und den König von Tyrus (bei Hesekiel) ansprechen, aber innerlich Bezug auf ein Geistwesen erkennen lassen, geben detailliert Einblick in einen Werdegang des Unrechts und der Herzenserhebung! Man lese die Texte genau, um manches Detail zu entdecken. Im Vergleich mit den Texten aus Johannes 1,1-13 und Lukas 11,34-36 kam ich zu dem Ergebnis (zu dem übrigens auch die Naturwissenschaft gekommen ist), dass Licht bei allen Lebewesen ist, vom Anfang ihrer Existenz her. Im Laufe des Lebens kommt es zu einer Lichtmehrung oder einer Lichtminderung, je nach der Stellung des Lebewesens zu Gott. Je nach dem, ob es das Gute sucht oder sich zum Bösen verleiten lässt. Der Glaube und die Aufnahme von Jesus Christus in unser Leben ergibt eine besondere potentielle Lichtfülle, wenn sie genützt wird (Johannes 1,12 und 8,12, aber auch 3,19-21). Wie es im Gleichnis Jesu heisst (Lukas 8,14): "Der Same, das Wort Gottes, das unter die Dornen fiel, sind diese, welche gehört haben und hingehen und durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen (= HEDONON) des Lebens erstickt werden und nichts zur Reife bringen." Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wenn ich zur Sünde versucht wurde, geschah es meist mit Erwartung des Vergnügens und der Lust. "Verschlungen ist der Tod in den Sieg, wo ist, o Tod, dein Stachel? wo ist, o Tod, dein Sieg?" (1.Korinther 15,54-55), siehe auch Offenbarung 20,14. Das kann auch darauf hinweisen, dass der Tod ja seitdem selbst alles zu Asche, Erde und Wasser umwandelt, je nachdem wo er wirkt.