Urtextperle NOMOS - Gesetz und Weide

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Betonungen verändern Inhalte. Das lernte ich bei meinen Eltern. Heute erinnert mich meine aufmerksame Familie in Gesprächen daran: "C'est le ton qui fait la musique"!

So ist es auch mit dem griechischen Wort NOMOS. Je nach Betonung (Accent) heisst es "Gesetz" oder "Weide".  Ob nun sprachlich oder nur akkustisch verwandt - was haben die beiden Begriffe miteinander zu tun? Zeigt unser deutsches Lehnwort "Nomaden" eine Spur dazu? Schon in biblischer Urzeit nahmen die umherziehenden Hirten-Sippen Weidegründe zu Weideland ein, dieses wurde zu Landbesitz und zu Siedlungen. Wachstum und Ausbreitung brachten bald gesetzliche Regelungen mit sich, damit nicht alles durch Habsucht und Neid - den zwei Urquellen der menschlichen Verfehlung - zu schnell zerstört wurde. Gesetzlosigkeit, die ANOMIA, hat schon viele Flächenbrände verursacht! 

Das zu NOMOS gehörende Verb heisst NEMO. Dessen Bedeutungen sind:

  1. teilen, zuteilen
  2. besitzen, bebauen, ausbeuten, beherrschen
  3. bewohnen, bewahren
  4. für etwas halten, achten und
  5. hüten, weiden lassen.

So wurde das Verb NEMO zum Hauptwort NOMOS in den Bedeutungen von "zugeteiltem Weideland, Wohnland", das "zugeteiltes Gesetz und Ordnung" braucht, um "funktionieren" zu können. NEMO und NOMOS kommen häufig im Neuen Testament vor. Die von Gott via den Engeln gegebene Gesetzesordnung (siehe u.a. Galaterbrief 3,19 und "Thema Engel") hat zwar einen guten geistlichen Grund (Römerbrief 7,14), führt aber in der christlich geprägten Religion unvermeidbar zu ungeistlichen "Kollisionen" mit Gnade und Glauben. Leider engen viele "ordnungs-orientierte" Christen ihren Glauben durch Gesetze ein, obwohl Jesus jedes Gesetz vollständig erfüllte (Galaterbrief 2,19-21). 

Mit NOMOS in der Bedeutung GESETZ und WEIDE , möchte ich nochmals auf den oben erwähnten gesellschaftlichen "Flächenbrand" durch Gesetzlosigkeit zurückkommen: Im 2. Timotheusbrief 2,17 kommt das mit NOMOS verwandte Wort NOMÄ vor, ein weiteres Wort für "Weide". Hier warnt Paulus vor Lehrern, deren Wort von biblischer Wahrheit abweicht und somit (genau übersetzt) "wie Gangrän" sich verbreitet. Gangrän, Wundbrand,  "weidet" sich am gesunden Gewebe um eine Wunde herum. So kann es auch geistlich zu einem "Flächenbrand" kommen, wenn man sich nicht an eine dem biblischen Gesamttext zugeordnete Lehre hält (2. Timotheusbrief 2,15).