Umkehr – ins Paradies

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"Tut Busse – oder: kehrt um, sinnt um – und glaubt an das Evangelium!": So ruft Jesus am Anfang des MarkusEvangeliums. Doch was meint er damit wirklich? Wohin sollen wir denn umkehren oder umsinnen? – Um es gleich vorwegzunehmen: ins Paradies!

 


 

Busse tun, Umkehren, Umsinnen heisst im griechischen Urtext des Neuen Testaments METANOIA / METANOEO, ein interessantes Wort, das sich lohnt näher unter die Lupe zu nehmen.

Was heisst METANOIA genau?

Die beiden Silben META und NOIA bilden ein zusammengesetztes Wort. META bedeutet - je nachdem ob ein Genetiv oder ein Akkusativ folgt - entweder "mit, inmitten, zur Mitte hin, zur Ruhe hin" oder "hinter, hinterher, nach". NOIA ist eine der vielen Abwandlungen von NOUS und bedeutet "Sinn, Gesinnung, Denken, Verstand". METANOIA heisst also "mitdenken, nachdenken" und "innerlich zu einer Gesinnung kommen, die zur Ruhe bringt". Diese erweiterten Übersetzungen weiten auch unser Verständnis von dem Begriff "Busse tun".

Am Anfang steht die METANOIA

Dem genauen Leser (in genauen Übersetzungen) fällt auf, dass METANOIA als Tätigkeitswort "Busse tun, Umkehren, Umsinnen" fast nur in den Evangelien und der Offenbarung vorkommt. Als Hauptwort "Busse, Umkehr" gebrauchen es auch die Apostel in ihren Briefen wie etwa Paulus im Römerbrief 2,4. Alle METANOIA-Stellen haben es mit einer Art Anfang zu tun - also mit einem Umdenken, das neue und tiefere Entdeckungen ermöglicht. Es ist Gottes Güte, die dahinter steht: "Weisst du nicht, dass Gottes Güte dich in das Nachdenken, mitten in das Umdenken hinein führt und dir dabei eine Gesinnung schenkt, die dich zur Ruhe bringt?" – So könnte man den Römerbrief 2,4 erweitert übersetzen.

Von der METANOIA geht es weiter zur METAMORPHOSE...

Der Apostel Paulus vertieft nun seinen METANOIA-Gedanken im 12. Kapitel, Vers 2 seines Briefes an die Römer. Dort geht er einen Schritt weiter - nämlich zur METAMORPHOSE! Dieses Wort bedeutet eine "komplette Veränderung", eine "wunderbare Umgestaltung". Das bekannteste Naturbild der Metamorphose ist die Raupe, die über eine Verpuppung zum Schmetterling wird. Welch ein Bild! Welch ein Schauspiel! Und das umso mehr, wenn wir es auf uns Menschen beziehen dürfen, die den Weg eines Ausreifens im Glauben an Jesus Christus weitergehen wollen.

Die METAMORPHOSE wird uns nach der METANOIA geschenkt. Im Nachdenken, in der METANOIA, erkennt man gewisse Verhaltensweisen und Werte in Systemen, die uns an diesem Ausreifen des Glaubens hindern. Das kann der Zeitgeist sein, der sich oft nicht mit dem Geist der Bibel kompatibel erweist, zum Beispiel das Immer-mehr-Haben-Müssen. Oder es ist ein religiöser Geist, der uns vom lebendigen Glauben abhält, zum Beispiel, wenn das Erfüllen bestimmter Regeln und Formen wichtiger wird wie die lebendige Jesus-Beziehung. Darum ruft Paulus in Römer 12,2, bevor er von dem Umgestaltet-Werden, von der METAMORPHOSE redet, dazu auf, unser Denken zu erneuern und uns mit der uns umgebenden Welt (wörtlich) "nicht mit-schematisieren" zu lassen.
Unsere Denkaufgabe ist nun herauszufinden, wo ich mich in Schemata pressen lasse oder wo mich Systeme einengen und mich am Reifen im Glauben hindern. Oder krasser ausgedrückt mir den Weg ins Paradies Gottes (vergleiche Offenbarung 2,7) versperren. Zugegeben: Umdenken ist mühsam – und schmerzt, besonders, da dies der Bruch mit liebgewonnenen Gewohnheiten oder gar Menschen bedeuten kann. Da verweigert sich leider der "alte Mensch" in uns der METANOIA - und riskiert dabei die METAMORPHOSE zu verpassen! Wagen wir die Geschenke Gottes - die METANOIA und METAMORPHOSE - anzunehmen? Im Paradies werden wir es ihm danken

Der Ruf nach oben.

Der echte Glaube sucht nach Gott selbst. Er sucht was "droben" ist. Er sucht himmlische Wahrheiten. Er sucht Sicherheiten, die über die irdischen hinausgehen. "Trachtet nach dem, das droben ist!", übersetzt Luther in Kolosser 3,2. Wir sollen das suchen was "oben" ist. Vers 3,3 sagt, "oben" sei unser Leben, "verborgen mit Christus in Gott". "Oben" befindet sich jedoch noch viel mehr: Vers 3,4 spricht von Herrlichkeit, die in ihrem ganzen Ausmass schwer vorstellbar ist. Jedoch: Kennen wir nicht viele ermutigende, ja "herrliche" Aussagen im Neuen Testament, die schwer vorstellbar sind und doch eine starke Zugkraft haben? Die letzten Kapitel in Offenbarung 21 und 22 setzen allem buchstäblich die Krone auf! Dort sind wir dann auf der neuen Erde angekommen, in paradiesischen Zuständen, mit einer goldenen Stadt, die aus dem neuen Himmel herabkommt.

Wer im Glauben wächst, wächst auch in der Sehnsucht nach Vollendung. Er spürt den Ruf nach oben. Er erlebt das, was Paulus im Philipperbrief 3,13-14 schreibt - nämlich sich ganz auf ein Ziel auszurichten. Dies ist der "Kampfpreis", den die Berufung von oben und nach oben verspricht. Was immer das auch für ihn war – und was alles das für uns sein kann - es beinhaltet eine sehr individuelle Herrlichkeit, die der Endpunkt einer sehr persönlichen METANOIA in eine sehr persönliche METAMORPHOSE sein wird. Welche genau - das werden wir im Paradies erfahren, aber setzen wir alles daran, uns schon jetzt auf der Erde darauf hin vorzubereiten!