Kapitel 4 - Von Jerusalem nach Rom. Die Reiseroute und ihre Bedeutung

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ÜBERBLICK DER REISEROUTE

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EINLEITUNG

Sind die drei Schiffe drei Gemeindearten oder das Bild der einen Gemeinde Jesu auf der Reise? Die Mannschaften wechseln zwar, die Reisenden (Gefangene und Militär) aber bleiben dieselben. Eigentlich haben alle Gemeinden - oder die eine globale Gemeinde - nur einen Herkunftsort und einen Bestimmungsort: Jerusalem und Rom, geschichtlich geschehen, geistlich gedeutet. An vielen Orten wird vorbei gesegelt; an einigen Orten erfolgen Aufenthalte; ein längeres Verbleiben auf einer Insel: so sieht die Reiseroute im Überblick aus.

Dem Leser wird empfohlen bei den folgenden Kapiteln vorher die biblische Landkarte zu konsultieren.

Wir versuchen anhand der Namen der Aufenthaltsorte und der Orte des Vorbeisegelns symbolische Vergleiche zur Gemeindefahrt zu finden. Manch eine schwierige Deutung zeigt sich bald einmal im Detail .... aber wir versuchen es dennoch. Die Gemeinde der Jetztzeit durchlief und durchläuft diese Route. Sie musste sich vom Ursprung, dem jüdischen Hintergrund, lösen, um sich weltweit ausbreiten zu können. Dieses „Sich-lösen" war ein schmerzhafter Prozess. Das Leben der Urgemeinde und der Werdegang seiner Leiter zeigte es auf. Die verlässlichsten Berichte darüber finden wir in der Apostelgeschichte. Einige Kirchen, insbesondere die katholischen und orthodoxen Richtungen haben noch ihre Überlieferungen dazu. Für uns ist allerdings die Apostelgeschichte des Neuen Testamentes allein massgebend.

Entsprechend der bereits erwähnten "Jesus-Symbolik" (s. Teil1/Kap.3 Menschen an Bord "die Christen") für die Person des Apostels Paulus richtet sich die Bestimmung des Reisebeginns allein nach ihm. Deshalb fängt sie in unserem Bericht bereits in Jerusalem an (Apg 23). Am Ende der Reise, in Rom, lesen wir wieder allein von Paulus. Die anderen "Akteure" kommen und gehen nach und nach.

Mit Jesus Christus fängt alles an und findet alles seine Erfüllung. Er heisst in Offenbarung 1,8 "das Alpha und das Omega". Dies sind der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets.

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DIE ERSTE LANDREISE: JERUSALEM - CÄSAREA

JERUSALEM

JERUSALEM heisst übersetzt "Gründung und Grundlage, Besitz, Erbteil des Friedens (des Ganzen, des Heilen, des Unversehrten)". Gott zeigt Paulus in Apg 23,11, dass er nach Rom muss. In Apg 25,11 nimmt er öffentlich sein Recht als Römer in Anspruch, in Rom vor ein kaiserliches Gericht gestellt zu werden.

ROM heisst "Ruhm, die Höhe, die Erhabene". Die Reise geht von der Gründung/Tiefe zur Höhe. Es ist der Weg Jesu und der seiner Gemeinde.
Von Jerusalem überführt man Paulus nach

ANTIPATRIS

Herodes der Grosse hatte die Stadt nach seinem Vater Antipater so benannt. Übersetzt heisst sie "anstelle des Vaters, für/gegen den Vater". Kurzer Aufenthalt (Apg 23,31).

Muss sich die Gemeinde in ihrer Stellung zum Vater/Gott bewusst werden??

Weiter geht es nach

CÄSAREA: ERSTE EINSCHIFFUNG (APG 27,2)

Hier muss Paulus ungefähr zwei Jahre verbringen (Apg 24,27). Er verantwortet sich in öffentlichen Anhörungen vor hohen, machtvollen Persönlichkeiten (Apg 25,23). Es kommen der Hohepriester Ananias, die Landpfleger Felix und Portius Festus und König Agrippa mit Bernice und grossem "Gepränge" (Apg 25,23).

In Cäsarea wird die Reisegesellschaft mit Gefangenen und bewachendem Militär zusammengestellt und schifft sich ein. Es ist ein Handelsschiff, das nur der Küste entlang und nicht nach Rom fährt. Sollen die einzelnen Geistesträger in den Gemeinden wie Paulus lernen, vor den Mächtigen der Welt Glauben, Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit und das kommende Gericht (Apg 24,24- 26) zu bezeugen, ohne dabei die übliche Korruption zu fördern?

Das Schiff segelt weiter längs der Küste von Asien, was "sumpfig" bedeutet. Das Schiff hält sich fern vom Sumpf.

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DIE ERSTE SCHIFFSREISE: CÄSAREA - MYRA

CÄSAREA: DAS ERSTE SCHIFF LEGT AB.

Von Cäsarea, der "Kaiserstadt", geht die Schiffsreise los - zu einer anderen "Kaiserstadt", nämlich Rom, wo der Kaiser seinen Thron hat und Gericht hält. Bis Myra in Lycien fährt das Schiff mit allen Gefährten. Unterwegs passiert nichts Besonderes. Erster Halt des Handels- und Passagierschiffes war Sidon – bedeutet übersetzt „Fischerstadt", "flache Stadt", aber auch "Bergfeste".

Sidon also im geistlichen Sinne ein Ort, an dem die Gemeinde "Menschen fischt", zugänglich ist („flach") und als Bergfeste Sicherheit gibt?

Hier kann Paulus zu Freunden gehen und sich helfen lassen.

ZYPERN

Anschliessend segelt das Gemeindeschiff unter Zypern entlang, der "schönen Insel". Ein angenehmer Blick auf die umgebende "Welt" aus Gemeindesicht, das tut gut!

Nicht mal anlegen können sie während dieser "Kreuzfahrt"(!), weil der Wind (Gottes?) es nicht zulässt. Das Meer von Cilicien ("rundes Land") und Pamphylien ("alle Stämme") kann mühelos durchsegelt werden.

Diese Orte sieht die Gemeinde nur von ferne. Sie träumt von der "schönen Insel", auf der alles "rund läuft" und in der "alle Stämme" wohl vereint sind ... doch es fehlt der Entschluss anzulegen, es bleibt ein Traum.

MYRA IN LYCIEN

< Endstation des ersten Schiffes. Alles klar, bis sie in Myra, der "Myrrhenstadt" ankommen, die im "Lichtsland" (Lycien) liegt, das auch mit "Wölfin" übersetzt werden kann. Myrrhe, bittere Kräuter und Salbe, ein Hinweis auf Leiden ...vielleicht, weil selbst im Lichtsland Wölfe sind – (auch solche im Schafspelz) ...aber auch ein Hinweis auf die Salbe, die Leiden lindert.

Ein offenbar widersprüchlicher Ort für die Gemeinde. Sie steigt um, orientiert sich neu, wählt nun den direkten Weg nach Italien (Apg 27,6).

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DIE ZWEITE SCHIFFSREISE: MYRA - MELITE

KNIDUS

Von Myra aus segelt das Schiff mit Mühe unter KNIDUS ("Brennnessel") entlang, welches kein gutes Namensomen für den Reiseanfang im zweiten Schiff verspricht. Wir sind nun deutungsgemäss auf einem Reiseabschnitt, durch den viele Gemeindeschiffe zur Zeit fahren. Unterhalb von

KRETA

dem "Fleischesland" geht es weiter. Der Wind führt sie der Küste entlang. Bei der Stadt

SALMONE

("Brandung") geht die Reise vorbei. Sie segeln weiter bis "Schönhafen", eigentlich

IDEALE HÄFEN (KALOS LIMÄN)

auf Kreta. Dort legen sie an. Doch so ganz "ideal/trefflich" scheint der Hafen nicht zu sein, denn er liegt in der Nähe der Stadt Lasäa, die übersetzt "wild, rau, buschwaldig" heisst. Hier verbleibt das Schiff lange Zeit, bis in den Spätherbst (s.Teil1/ Kap.4 "Die Winde und das Wetter"). Da der Hafen für einen noch längeren Aufenthalt nicht geeignet war, drängen die Schiffsleute zum Aufbruch in einen besseren Hafen, namens

PHÖNIX

was "Palme" heisst. Unter Palmen zu überwintern, dürfte der Wunsch von vielen sein! Doch Paulus warnt davor. Er sieht das ganze Schiff in grosser Gefahr, samt der Ladung und der Menschen. Überwintern heisst für ihn nicht nur sich nach „Palmen" zu sehnen, sondern auch das Rauhe auszuhalten und darin zu reifen. Trotzdem geht das Schiff auf Fahrt, von einem scheinbar günstigen Südwind gelockt (Apg 27,13). Kaum wieder auf See, kommt von Kreta her, (dem Fleischesland!) der mächtige Sturmwind Euroklydon (s.Teil1/Kap.4 "Die Winde und das Wetter").
Unter der kleinen Insel

KLAUDA

("weinend, zerbrochen, hinkend") entlang stürmend, verliert das Schiff völlig die Kontrolle über den Kurs. Vielen Gläubigen ist heutzutage zum Heulen zumute auf ihrem Gemeindeschiff, das immer noch glaubt, den normalen Kurs halten zu können! Man muss ohnmächtig allem seinen Lauf lassen ... es bleibt als letzte Hoffnung, nicht in die

SYRTE

zu geraten, den tödlichen Sandbänken vor der libyschen Küste. Syrte heisst "Anziehung" (Apg27,17). Das Meer Adria, das nach der alten Bezeichnung "Atrias" mit "unbezwungen" übersetzt werden kann, hat dieses Schiff als neues Opfer fest im Griff. Die andere Bedeutung von Adria = "volkreich" zeigt, dass schon viele bezwungen wurden. Die Symbolik von "Meer" in der Bibel weist meist auf das "Völkermeer" hin und auf einen Aufenthaltsort der Toten (vergleiche Off.20,13). Das Gemeindeschiff geht seinem Untergang entgegen. Alles zerbricht beim Stranden auf der Insel.

MELITE: ENDSTATION DES ZWEITEN SCHIFFES

Alles zerbrochen und doch keimt neue Hoffnung auf durch den Namen der Insel:

Sie heisst übersetzt "Honig". Alle vom Schiff können sich retten. Die Gemeinde, das Konstrukt, zerbricht ... die Menschen in ihr nicht!

Und nun leben sie im/auf "Honig"! (s.Teil 4/Kap.2 "Die Reisegefährten im Honigland").

Den Aufenthalt auf MELITE kann man in drei Ereignisse unterteilen:
1. die Strandung
2. das Leben ohne Schiff
3. das dritte Schiff legt ab.

Hier leben die Reisegefährten in einer völlig neuen Situation – völlig gelöst von allen Dingen, die sie noch auf dem Schiff hatten und nach denen sie ihr Leben ordneten. Aber sie erleben nun die Kraft und Gegenwart Gottes in neuer Dimension, sichtbar in Heilungen und Wundern.

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EREIGNISSE AUF DEM ZWEITEN SCHIFF

ERKLÄRUNGEN ZU APG 27,9 - 44

Bitte vorher die Verse jeweils lesen!

Verse 9-11
Paulus hat zweierlei Erfahrung, um mit den Schiffsleuten zu reden: Erstens kennt er sich mit schmerzlichen Schiffbrüchen aus ( 2. Kor.11,25) und zweitens hat er als Mann Gottes ein feineres Gespür als andere.

Doch wie freundlich er auch redet - er "mahnt" nicht, sondern "lobt entlang" im Urtext (gr. PARAINEO: PARA = neben, AINOS = Lob) – die Entscheidungsträger glauben ihm nicht. Deutung: In unseren Gemeinden werden oft die Leute übergangen, die das Ansehen nicht haben, die "nur" stille Gottesmenschen sind. Wenn sie reden, tun sie es freundlich und unaufdringlich. Doch die "immer-allesbesserwissenden", lauten Leute sind lautstark, und den Leitern fehlt oft das Gespür für das rechte Wort. Anders ausgedrückt: die wahre Weisheit oder gar die Gabe der Unterscheidung fehlt vielen Leitern aus Missachtung von Personen (den Stillen) und Zeitmangel (für Gottes Wort z.B. - siehe Heb. 5,14 im Kontext).

Verse 12-13
Die Entscheidungsträger sind offen für "Demokratie" - die Schiffsmannschaft teilt die Meinung zum Weitersegeln trotz Gefahr. Die Gründe dazu sind vernünftig. Der Hafen ist ungeeignet zum Überwintern und dann erst noch der plötzlich aufkommende günstige Südwind.

Deutung: In unseren Gemeinden finden wir Monarchien (= einer entscheidet) und Oligarchien (= wenige entscheiden) und Demokratien (= die Menge entscheidet) nebeneinander. Meistens sind es Mischformen. Da aber das Interesse am "Schiff" selbst - den Angelegenheiten der Gemeindeorganisation – für viele Leiter überlebenswichtig ("überwintern!") ist, wird die Volksmeinung nicht selten in ihrem Sinne manipuliert. Häufig bleibt dies unbemerkt von den Betroffenen.

Wie viele "Südwinde" kommen zur gelegenen Zeit in einen Entscheidungsprozess zugunsten der Ideen und Überlebensstrategien der Wortführer?! Die Winde werden herbeigebetet, der Heilige Geist soll wehen, und kaum weht etwas, so stürzt sich das Gemeinde-Völkchen erneut in ein Abenteuer. Aktion ahoi!

Verse 14-15
Nicht lange nach dem Aufbruch kommt ein Taifun auf. Das Schiff wird manövrierunfähig. Man gibt es dahin...

Deutung: Wenn die Gemeinde dann so richtig in den Sturm kommt, nützen alle Stützungsmassnahmen meist nichts mehr. Man muss dem Gemeindealltag den Lauf lassen und hilflos zuschauen, wie alles im Segelwerk rattert und die Masten ächzen...

Verse 16-17
Sie werden an der Insel Klauda ("heulen, weinen") vorbeigetrieben, der Sturm peitscht, mit Mühe können sie das Beiboot an Bord hieven. Doch ist das Schiff selbst in grosser Gefahr; sie müssen es mit Stricken unterbinden. Das heisst, dass Seile unterm Kiel durchgezogen werden, um die Planken zu festigen.

Deutung: Jammern, jammern ... Gemeinden und Missionswerke müssen sich auf das "Mutterhaus", aufs "Kerngeschäft" reduzieren. Das Beiboot, das heisst die Aussendienste, Filialgemeinden werden beschnitten oder grad ganz geschlossen. Der Sturm peitscht die Finanzen weg. Alle Register müssen gezogen werden.

Predigten übers Zehntengeben hallen ins Herz treuer Geber. Daraufhin gibt manch einer halt etwas mehr (und zwackt es dann bei den Missionaren ab).

Zusatz zu Apg 27,15-16
Von „Idealhäfen" bei Lasäa bis Phönix ist es nur ein kurzer Sprung an der Küste des "Fleischlands" Kreta entlang, für küstenfahrende Seeleute keine grosse Sache. Aber Paulus warnt davor, durch Gottes Eingebung und nicht nur aus eigener Meinung. Dieses stellt sich aber erst später heraus.

Wir lernen: Selbst ein kurzer falscher Weg kann lange, schmerzliche Konsequenzen haben... Das Schiff segelt los. Prompt erfasst es der Sturm, und es wird an der Insel Klauda (Jammern, Hinken) vorbei ins offene, unkontrollierbare Meer getrieben. Viel Fantasie braucht es nicht, um sich nun das Jammern der Schiffsleute vorzustellen! Der Sturm, von Gott gelenkt (der ja will, dass die Reisenden dennoch in Rom ankommen) treibt sie in die rechte Richtung und nicht zur nordafrikanischen Küste, in die gefährliche Syrte.

So müssen auch zerstörerische Stürme in der Gemeinde Gottes und im Leben der Menschen schlussendlich zum guten Ziele führen!

Verse 18-19
Die Schwere des Schiffes lässt zuviel Wellen darüber schlagen. Gewicht muss weg, erst von der Fracht, dann vom Schiffsgerät. Alle müssen eigenhändig helfen, sogar die Gefangenen.

Deutung: Wie viel Fracht das Gemeindeschiff trägt, merkt man erst bei hohem Seegang. Wie viel lädt man unnützerweise auf, vielleicht allein durch den Stolz getrieben, ein grosses Angebot an Service-Gütern und Geräten anzubieten... 60 Seelen-Gemeinden meinen den gleichen Vollservice "bieten" zu müssen wie eine kleine Stadt mit 10.000 Einwohnern - vom Kinderhort an bis zur Altenbetreuung, vom Kirchenchor bis zur Teestube. Doch im Sturm zeigt sich die Überbelastung, der Burn-Out holt sich die Überstunden zurück, aussen Sturm, innen tote Hose(Wort??) in den Seelen. Die stets treuen Mitarbeiter bleiben eines Tages vor dem Fernseher kleben oder strampeln sich endlos im Fitnessclub wund... .

Vers 20
Erster Tiefpunkt erreicht. Winterstürme bei Tag und Nacht, keine Sonne mehr, keine Sterne.

Deutung: Das Wort Gottes wird oft als Licht "auf unsrem Wege" (Ps. 119,105) und "aufscheinend an dunklem Ort" (2. Pet.1,19) beschrieben. Hier ist entweder keine Kraft mehr fürs Wort oder Gott lässt es vorübergehend nicht finden (vergleiche mit Amos 8,12).

Verse 21-26
Paulus meldet sich wieder zu Wort, "neben-lobt" sie nach kleinem Tadel immer noch (PARAINEO, siehe Auslegung Vers 9-11) und macht ihnen Mut mit einer Engelbotschaft: Alle werden überleben, nur das Schiff wird umkommen.

Deutung: Am Tiefpunkt redet Gott wieder durch seine Diener. Wenn man nicht nur zu Gott gehört, sondern ihm auch dient (Vers 23), kommt das Wort zur Rettung im rechten Moment.

Gott "schenkt" Paulus alle Menschen, die mit ihm auf dem Schiffe reisen! Nur EIN "besonderes" Gotteskind in EINER Gemeinde kann ALLE retten! Er kann wohlgemerkt alle MENSCHEN zur Rettung führen, nicht aber das Gemeindeschiff im Sturm!

Verse 27-29
Um Mitternacht der 14. Nacht im Sturm hörte die Mannschaft eine starke Brandung, wie sie gegen Felsen schlägt. Sie messen die Tiefe und finden ihren Verdacht bestätigt. Sie haben Angst, gegen diese Felsen geworfen zu werden, der sichere Tod. Am Heck werden vier Anker ins Wasser gelassen.

Deutung: Das Ende aller Strukturgefässe vor Augen muss ja Angst machen. Dazu eventuell noch zu ahnen, dass das eigene, fromme Wesen am Felsen Jesus zerschellen könnte, macht noch mehr Angst. Muss das Weizenkorn wirklich in die Erde fallen – oder ins Meer, wie hier? (Zumal das Meer ein Symbol für einen Teil des Totenreiches ist, siehe Off. 20,13). Vier Anker, als Symbol der Hoffnung laut Heb. 6,19, sollen die Angst bremsen.

Verse 30-31
Die Mannschaft will fliehen, Land ist ja in der Nähe. Der aufmerksame Paulus warnt eindringlich vor dieser Abspaltung der Schicksalsgemeinschaft, und die Soldaten verhindern es.

Deutung: Aha! die Spezialisten der Gemeindeführung, die noch öffentlich Anker der Hoffnung am Heck auswerfen, wollen sich heimlich am Bug in Sicherheit bringen! Oder sind es die Spezialisten der Spaltung, die unter anderen "Anker-Vorwands-Botschaften" das Gemeindeschiff verlassen wollen? Planen sie das "eigene Bötchen" zu fahren? Wie auch immer die Strömungen heissen, diejenigen welche sich trennen, handeln zum Schaden aller. Nicht in BOOTE, sondern an LAND will Gott retten. Und zwar an DAS Land, wohin der Sturm - der Heilige Geist - es will!

Verse 32-38
Die Lage spitzt sich zu. Das Beiboot fällt ins Wasser, es wird langsam Tag, der 14. Tag, nach der 14. Nacht ohne Essen. Das zweite Schiff trägt eine grosse Ladung an Weizen. Korn ist ein durchwegs positives Element in den biblischen Berichten. Es steht für die beste Nahrung, das Wort Gottes. Doch von der stärkenden Getreidespeise essen die Reisegefährten an Bord lange Zeit nichts (Apg 27,33 heisst "ohne Nahrung" eigentlich "ohne Weizennahrung"). Paulus ermuntert zum Essen und gibt ein gutes Beispiel vor allen. Daraufhin stärken sich alle reichlich davon und werfen den Rest über Bord. Sie können nur das nackte Leben retten! Paulus erreicht dieses Ziel für alle 276 Menschen der Schiffsgemeinschaft.

Deutung: Zeigt es nicht klar auf, dass das Wort Gottes Kraft für die "letzten Meter zum rettenden Ufer" geben wird? Doch die Menschen essen den Weizen erst gegen Ende der Reise, anstatt im Reiseverlauf ... fortwährend gegessenes Wort Gottes muss man nie über Bord werfen!!

Es geht um Essen, um ein Gestärktwerden. Weizen und Brot werden öfter genannt. Das Wort Gottes muss wieder zur Stärkung genommen werden. Wort Gottes stärkt nicht als Ladung, sondern nur wenn es gegessen wird! Wieder ein Hinweis darauf, dass die Gemeinde ein Weizentransportschiff ist. Im Vergleich zum Weizenkorn ist das Schiff wie die Ähre, die das Weizenkorn solange schützt, bis es reif ist und ausgeschlagen werden muss, um nicht zu verderben. Auch das Wort des Gesetzes "du musst, du sollst... etc." ist ein typisches "Gemeindewort". Die Gemeinde setzt neue Massstäbe bei Neugewonnenen aus dem Weltgeist - und soll es auch. Aber das Wort der Gnade und Freiheit und Reife muss folgen, sonst verdirbt die gereifte Frucht!

Mögen doch alle 276 Seelen alle Worte in der Gemeinde essen, denn das Nicht-Verdaute kommt im Meer um.

Verse 39-41
Unbekanntes Land in Sicht mit einer Bucht, Sandstrand anstatt Felsen. Letzte Massnahmen mit dem Schiff sollen Landung ermöglichen. Das Schiff wird vom Sturm auf eine Sandbank ohne Uferkontakt geworfen. Das Vorderteil sitzt fest, das Heck wird von den gewaltigen Brechern zerbrochen.

Deutung: Das Gemeindeschiff, den Todesstoss erwartend, will mit letzter Kraft wenigstens den Sandstrand erreichen. Könnte es (aufglimmende Hoffnung) vielleicht doch mit den Seelen gerettet werden? Häuser jedoch, die auf Sand gebaut werden, haben keine Zukunft. Das lehrt Jesus im Matthäus 7,26.

Das Schiff schafft es nur bis zu einer Sandbank und findet dort seinen definitiven Untergang. Das Schiff zerbricht...was nun??

Verse 42-44
Das Finale. Kurz vor der Rettung wollen die Soldaten die Gefangenen töten, wegen der Fluchtgefahr. Der Zenturio verhindert es - weil er Paulus retten will. Alle müssen sich selbst nun schwimmend an Land bringen.

Deutung: Wie auch schon die Matrosen die verwerfliche Seite ihres Charakters zeigten, so sind es hier die Soldaten auf dem Schiff. Es ist nicht leicht, sie in der Gemeinde einzuordnen (s. Kap. 2 "Die Menschen"). Da aber der Engel Paulus "alle schenkt", werden die Soldaten am Mord gehindert. Die Obrigkeit ist teils IN der Gemeinde durch staatliche Abmachungen mit ihr wie Steuern z.B. und teils NEBEN ihr, um die allgemeine Ordnung aufrecht zu erhalten. Doch hilft diese Obrigkeit - für die die Christen nicht vergebens beten! - mit dem Befehl zum letzten Wegstück der Rettung: Die Starken, die Schwimmer sollen zuerst ins tosende Wasser, dann die Nichtschwimmer! Erstaunlich, denn heute wäre es wohl umgekehrt: "Frauen und Kinder zuerst", meint die Schwachen zuerst.

Geistlich gesehen drängt sich daher ein Vergleich mit dem Text aus Ezechiel 47,1-12 auf, insbesondere Vers 5: als das Wasser so tief ist, dass man darin schwimmen muss und somit ganz auf die führende Gnade des Wasserlaufs angewiesen ist.

An dieser Stelle wechselt das Transport- und Fortbewegungsmittel der Reisegesellschaft vom Schiff zum Schwimmen des Einzelnen, vom passiven Transport der Gemeinschaft zur aktiven Fortbewegung des Individuums. Erstmalig gerät der einzelne Gläubige nun physisch in direkten Kontakt mit dem Meer, Sinnbild des Totenreiches oder auch einfach Machtbereich des Todes. Erwartet uns in dieser Phase der Reise auch körperlich eine andere Dimension des "der Finsternis ausgesetzt sein"?

Interessanterweise trägt das Gemeindeschiff vor der Bucht einen letzten Dienst zur Rettung bei: den Nichtschwimmern dienen die Planken und Bruchstücke als ans Ufer tragende Unterlagen. So werden wirklich ALLE gerettet. Allerdings haben sie vom Schiff nichts gerettet. Wie vielen von uns Christen ist es vorstellbar, dass von der "Gemeinde" nur die Menschen übrigbleiben? Wäre es vielen Leitern klar, dann würde heute schon mehr in Menschen anstatt in Programme und in Gebäude investiert.

Die Gemeinde zerbricht, doch die Menschen nicht. Wer ist die Gemeinde schlussendlich? Jesus verheisst im Matthäus 16,18 "die Pforten des Hades (= Totenreich) werden meine Gemeinde nicht überwältigen". Seine Gemeinde sind MENSCHEN, die an ihn glauben, ihm vertrauen und ihm so treu folgen, wie sie können.

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AUFENTHALT IM HONIGLAND

ERWECKUNGSZEIT NACH DEM SCHIFFBRUCH?

Vielleicht werden wir bei diesem Titel an das "Schlaraffenland" erinnert? Nun, gewisse Ähnlichkeiten kann man ja überall dort sehen, wo man gut versorgt wird ... und dies war der Fall für die Schiffbrüchigen auf der Insel Melite (Apg 28, 1-11).

Erinnern wir uns: Melite – die meisten nehmen an, dass es das heutige Malta (7) ist – heisst übersetzt "Honig" oder erweitert "Honigland". Die Einheimischen sind sehr freundlich, zünden als Soforthilfe ein Feuer an und kümmern sich um die erschöpften Menschen.

Da vom Moment der Strandung an im Text keine unterscheidende Erwähnung mehr zwischen Militär, Besatzung und Gefangenen gemacht wird, nehmen wir an, dass auch alle gleichermassen Zuwendung erhalten. Aus der nackten Not herauskommend gibt es für die Gestrandeten im Honigland keine Standesunterschiede mehr!

Nach der ersten Hilfe in der Bucht des Schiffbruchs nehmen die Bewohner von Melite (von den Griechen "Barbaren" genannt, wegen ihrer fremden Herkunft und Sprache) die Schiffbrüchigen sogar in ihre Häuser auf (Apg 28,2 "und nahmen uns alle zu sich").

Doch vorher ereignet sich ein Zwischenfall. Paulus wird beim Reisigauflegen am Feuer von einer Schlange gebissen. Sie stürzt aus der Hitze und beisst sich an der Hand von Paulus fest. Die Einwohner sind entsetzt. Erkannten sie die Schlange sofort als giftige Viper? Malta galt und gilt von Natur aus als schlangenfrei. Wahrscheinlich kam auch dieses Tier durch ein Handelsschiff auf die Insel. Das übliche Wort für "Schlange" auf Griechisch ist OPHIS (z.B. Joh. 3,14 / 2. Kor. 11,3). Hier gebraucht Lukas jedoch die Bezeichnung ECHIDNA. Diesen Ausdruck finden wir in Texten wie Matthäus 3,7; 12,34 und 23,33, in denen Jesus mehr die symbolische Bedeutung der Schlange als "Böses" betont. Welche Art von Schlange es auch war am Feuer, wir sehen die Symbolik des Satans dahinter.

Die Malteser erwarten Paulus´ Tod. Der schüttelt aber unbekümmert das Tier ins Feuer. Nichts geschieht ihm. Die Menschen ändern nun schnell ihre Meinung und sehen einen Gott in ihm. Das kann man wie folgt deuten: Die Christen, wenigstens der von Paulus repräsentierte Teil, handeln in göttlicher Vollmacht. Lukas 10,18-19 scheint voll in Erfüllung zu gehen! Die Macht Satans wirkt nicht im Honigland. Die Christen handeln in Vollmacht. Diese Vollmacht zeigt sich bald auf einem weiteren Gebiet – nämlich in Krankenheilungen. Im Hause des Obersten der Insel namens Publius ("Volksmann", "öffentlich") heilt Paulus den Vater des Publius vom Fieber und der Ruhr. Das spricht sich schnell herum. Die "übrigen" Kranken der Insel kamen und "wurden geheilt".

Paulus steht nicht mehr allein im Vordergrund - ein Hinweis auf eine mit Barmherzigkeit und Heilungsgaben ausgerüstete Gemeinde?

276 Menschen werden in den Häusern der Bewohner von Malta untergebracht (auch die Gefangenen, wohin hätten sie fliehen sollen?). Erfahrungen der langen Schiffbruchreise und die Rettung aller sind wohl auch Gesprächsthema. Paulus, Lukas und Aristarchus stehen als leuchtende Vorbilder der Mitreisenden und der Inselbewohner und aller Gäste der Insel, die dort überwintern. Das grosse Glück von geheilten Menschen prägt den Alltag der Insel, drei Monate lang: Evangelisation mit Wort und Tat. Die Christen erhalten viele "Ehrengeschenke" (eig. nur "Ehren" auf griechisch) und zur Abreise „lädt man ihnen auf, was nötig war" zur Fortsetzung der Schiffsreise nach Rom.

Solch eine "Melitezeit" erwartet die Christen, die durch den Sturm in den Schiffbruch geraten – die durch den Sturm an die von Gott ausgewählten Gestaden geworfen werden. Es ist eine Art "Zwischenzeit" auf der Gesamtreise, die sich am Folgenden orientiert:

Die "Zwischenzeit"
- findet NACH einem Schiffbruch statt;

- ist eine begrenzte Zeit der Erfrischung (Erweckung) Apg 3,19-21;

- findet auf einem "begrenztem Gebiet" (Insel) statt;

- bildet einen Schwerpunkt im Leben und Dienen in den Häusern;

- hebt die Standesunterschiede auf (mehr Einheit im Leben und Dienen);

- lässt satanische Angriffe machtlos werden;

- ermöglicht den "Christen ohne Schiff" die Evangelisation der "Malteser", welche somit zu ihrer menschlichen Freundlichkeit noch die göttliche dazu erhalten!

Eine Erweckungszeit – eine Honigzeit, die den Christen die Reise von Jerusalem nach Rom versüsst! Doch ist sie nicht anhaltend, sie hat ihre Fristen (vergleiche Apg 3,19- 21). Honig darf dankbar genossen werden in der Schrift wie die Weisheit (Sprüche 24,13-14). Vor einem „Zuviel" wird jedoch gewarnt (Sprüche 25,16+27).

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DIE DRITTE SCHIFFSREISE: MELITE - PUTEOLI

MELITE: DAS DRITTE SCHIFF LEGT AB

Nach drei Monaten steigt die Reisegesellschaft wieder auf ein Handelsschiff um, auf eines, das auf der Insel überwintert hatte. Nun geht es ohne Probleme nach

SYRAKUS

("gewaltig"). Drei Tage Aufenthalt. Danach geht es nach

RHEGION

("Bruch, Zerreissung"). Ein Tag Verweilen, bis ein guter Südwind sie nach

PUTEOLI

weht ("warme Quellen, vulkanische Höhlen"). Was die Schiffsreisenden angeht, heisst es ENDSTATION FÜR DAS DRITTE SCHIFF.

Als Ziel der Reise wird Italien ("Kälberland, Ochsenland") erwähnt (Apg 27,1). Diese Übersetzung ist allerdings unsicher. Italien ist einer der ersten EWGStaaten, die heute zur EU führten und beschleunigte 1953 im "Club of Rome" deren Gründung. Wenn die Gemeinde nach Rom muss, muss sie auch nach "Italien". Weist die Namensbedeutung geistlich auf Opfertiere hin oder auf die Knechtschaft des Ochsen als Lasttier? Oder, dass Europa im Mythos auf einem Stier entführt wurde und heute noch von "Zeus verführt" wird (siehe Kap. 2 "Die Winde, das Wetter")?

Geht die Gemeinde den Weg eines willigen Opfertieres wie Paulus und ist dadurch stärker als der Weltgeist, der wie ein Stier daherstürmt?

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DAS SCHIFFSZEICHEN DER DIOSKUREN

Das dritte Schiff fährt unter dem Nebenzeichen (Parasemos) der Dioskuren (Gottesstreiter). Vermutlich zeigt das Hauptzeichen die Herkunft von Alexandria. Warum vermerkt Lukas diese "Kleinigkeit"? Soll auch diese prophetisch-hinweisenden Charakter für das dritte Schiff haben? Wenn diese Möglichkeit besteht, sollten wir uns den Mythos der Dioskuren genauer ansehen - und unsere Schlüsse ziehen...

Dem Mythos gemäss sind die Dioskuren des Zeus Knappen (junge, kämpfende Burschen): KASTOR und POLYDEUKES ( lat. Pollux). Kastor kommt aus unklarer Wortwurzel, vermutlich heisst er "Ordner für das Heer". Er war für das Kämpfen mit Pferden zuständig. POLYDEUKES heisst "der Vielsüsse", welches auch als Beiwort des Zeus gebraucht wurde. Er führte den Faustkampf.

In der früheren griechischen und späteren römischen Mythologie finden die beiden eine breite Verehrung im Volke. Schliesslich wird ihnen ein "Platz am Himmel" zuteil - in unserem Sternzeichen ZWILLINGE! Angerufen werden sie als wahre "Vielkönner": als medizinische Helfer, als gastfreundliche Förderer (auch der olympischen Spiele), als Freunde der Jäger, am meisten als siegbringende Götter in Land- und Seeschlachten unter ihrem eigenen Zeichen, der "DOKANA"

Die DOKANA "...sind zwei aufgerichtete Holzbalken mit zwei quer übergelegten, welche jene miteinander zusammenhalten ... bei Feldzügen hatte man die Sitte, dieses Gebilde mitzunehmen als Hort im Kriege." (8) Erinnert dies nicht an die Geschichte von Kaiser Konstantin, der - wie man sagt - das Zeichen des (christlichen) Kreuzes am Himmel sah und die Worte gehört haben soll "in diesem Zeichen siege!"? Diese Vision soll dazu beigetragen haben, das Christentum zur Staatsreligion zu machen. Es wäre interessant, das Zeichen der Dioskuren und des organisierten Christentums auf gemeinsame Herkunft und gar Aussehen zu untersuchen!

Im Laufe der späteren Antike tauchen die Dioskuren mehr und mehr als Schutzpatrone der zivilen Seefahrt auf. So finden wir sie wieder im Bericht der Apostelgeschichte des Lukas.

MYTHOLOGIE: VERSUCH EINER DEUTUNG FÜR DAS DRITTE GEMEINDESCHIFF

Der sterbliche Kastor fällt im Kampf, als er gemeinsam mit seinem unsterblichen Bruder Polydeukes gegen die Brüder Idas und Lynkeus um zwei Frauen kämpft. Polydeukes, untröstlich über den Verlust des geliebten Bruders, bittet er seinen Vater Zeus, auch sterben zu dürfen, um so mit Kastor ins Schattenreich der Toten gehen zu können. Das würde die Aufhebung seines Götterstatus bedeuten. Zeus will nicht. Er schlägt anderes vor: Er, Polydeukes, könne zusammen mit Kastor je einen Tag im Hades (Totenreich) und je einen Tag gemeinsam auf dem Götterberg, dem Olymp, weilen. (Das heisst "Heteremerie"). Polydeukes stimmt zu. So werden sie als Brüderpaar apotheosiert (zur Göttlichkeit erhoben) und können immer zusammenbleiben und alle Freude und alles Leid teilen. (9)

Wie fremdartig auch immer uns heute dieses griechische Götterdenken anmutet, könnte es unsere biblischmystischen Gedanken anregen: Wird die Gemeinde Jesu Christi in einem kommenden Status in den Himmeln und in der Unterwelt dienen/weilen und nicht "nur" auf Erden? Was macht sie eigentlich nach der "Entrückung", wenn sie wesensgleich mit ihrem Herrn ist (vergleiche 1. Johannes 3,2 / Römer 8,17 / 1. Korinther 15,50-51)? Stellen wie Philipper 3,20 / 1. Korinther 6,3 weisen auf Stellung und Tätigkeit im Himmel. Und 1. Petrus 4,6 mit Philipper 2,10 z.B. auf Ereignisse im Hades, die zuerst durch das Haupt Jesus Christus, dann aber auch durch die Glieder, die Gemeinde, geschehen könnten...

EINE NEUE QUALITÄT VON ZWEIERSCHAFT

Es gibt einen anderen, eher "praktischen" Hinweis zum Thema "unter dem Zeichen der Zwillinge" segeln. Kastor und Pollux zeichnen sich durch ihre brüderliche Liebe aus. Sie machen alles am liebsten zusammen. Könnten sich auf dem dritten Schiff eine intensive Art von Zweierschaften bilden? Könnte die christliche Gemeinschaft sich wieder mehr auf das von Jesus gelehrte "wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind" erinnern? Oder an das Aussenden von je zwei Jüngern zusammen? Mit das Vollmächtigste, das Jesus je für uns lehrte, steht im Matthäus 18,19:
"Wiederum sage ich euch, wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgend eine Sache, um welche sie auch bitten mögen, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist." Eine neue Qualität von Zweierschaft im Gebet, im zielgerichteten Wirken, mit der Aussicht auf "garantierte" Erhörung, die dann ja auch im Willen Gottes stünde... atemberaubende Perspektiven tun sich auf!

Auf Erden beten, in den Himmeln wird erhört: Kastor und Pollux, ein Bild für die unwiderstehliche Zweierschaft.

Auf dem dritten Schiff geht es anders zu, als auf den ersten zwei ... Apostelgeschichte 28,11-14 spricht nur noch vom "umschiffen", vom "Südwind" und vom "Anlegen" und - betont - von diesem "Zeichen der Zwillinge". Von Menschen und Schicksalen, vorher detailliert berichtet, hört man nichts mehr.

Beim Schweigen eines Textes fängt das Forschen im Geheimnisvollen an...

PAULUS, DER ZWILLING

Unter dem Zunamen "Zwilling" (gr. DIDYMOS = "doppelt, zweifach") kennt man im Neuen Testament Thomas, einen der zwölf Jünger des Herrn (Joh.11,16). Nirgends wird erklärt, warum. Doch auch Paulus ist ein "Zwilling" - kann man wenigstens dies erklären? Versuchen wir es. Im säkulären Staat Israel kam vor Jahren eine bemerkenswerte Briefmarkenserie heraus: dort wurden die biblischen zwölf Stämme den zwölf Sternzeichen zugeordnet. Der Schweizer Architekt Arthur Muhl hatte schon 1933 einen Plan gezeichnet, der die gleiche Zuordnung zeigte (heute leider vergriffen). In beiden Darstellungen wird der Stamm Benjamin unter dem Zeichen der Zwillinge aufgeführt. Wie kommen Ausleger der Bibel (und die Post Israels!) dazu anzunehmen, dass jeder Stamm sich einem Sternzeichen zuordnet? Im 4. Mosesbuch 2,2 ff finden wir jeden Stamm mit einer Standarte oder Fahne. A. Muhl schreibt weiter, dass jeder der vier Führerstämme sein Panier besitzt, das je drei Stämmen ihren Standort anzeigt: Juda im Osten (mit Issachar und Sebulon), Ruben im Süden (mit Simeon und Gad), Ephraim im Westen (mit Manasse und Benjamin) und Dan im Norden (mit Asser und Naphtali). Die Paniere sind "Zeichen ihrer Vaterhäuser". Das Wort "Zeichen" wird auch im 1. Mose 1,14 gebraucht. Hier werden Sterne oder Sternbilder zu "Zeichen" gesetzt. Welche Sterne oder Sternbilder sieht wohl Joseph bei seinen elf Brüdern (1. Mose 37,9)? Benjamin trägt das Panier der Zwillinge. Paulus ist Benjaminiter (Phil. 3,5). Man fragt sich mit diesem Wissen, ob das dritte Schiff nicht auch aus diesem Grund unter dem Zeichen der Zwillinge segelt? Der Stamm Benjamin lagert sich nach Nordwest. Paulus darf auf seinen Missionswegen nur Nordwest berücksichtigen: Kleinasien, Mazedonien, Griechenland und zum Schluss - Rom.

Zwillinge: Am Bilde von Kastor und Pollux sehen wir grösste Eintracht und grösste Gegensätze. Dazu heisst es im Segen von Moses über Benjamin: "(Er ist) ein Wolf, der zerreisst; am Morgen verzehrt er Raub, und am Abend verteilt er Beute" (1. Mose 49,27). Die Gegensätze im Leben von Saulus-Paulus betrachtet, zeigen ähnliche Aussagen! Bei der Geburt Benjamins nennt ihn seine sterbende Mutter Rahel "Benoni", d.h. Sohn meiner Not. Sein Vater Jakob ändert seinen Namen jedoch in "Benjamin", d.h. Sohn meiner Rechten, meines Glücks (1. Mose 35,18).

Ausgelegt auf die aktuelle Situation unserer Studie kommt der Aspekt des Segens der Gegensätzlichkeiten hinzu. Nach dem Zerbruch bei Melite und nach der Erfahrung auf Melite sind wir ähnlich wie Paulus:
Gebundene in Christus und doch wahrhaftig Freie in Christus (Joh. 8,32), wir gehen durch Ehre und Unehre, durch böses Gerücht und gutes Gerücht, als Verführer und Wahrhaftige, als Unbekannte und Wohlbekannte, als Sterbende und siehe: wir leben! (Auch) als Gezüchtigte und nicht getötet, als Traurige aber alle Zeit uns freuend, als Arme aber viele reich machend, als nichts habend und alles besitzend (2. Korinther 6,8-10).

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DIE ZWEITE LANDREISE: PUTEOLI - ROM

In Puteoli verlassen die Gefährten das Schiff und bleiben "bei Brüdern" (Apg 28,14). Wer ist hier alles im "wir" des Berichtes von Lukas eingeschlossen? Nach sieben Tagen geht es auf dem Landweg weiter. Die Gemeinde ist zu Fuss unterwegs ... ist es wieder eine, die "der Weg" genannt wird (Apg 9,2 / Apg 24,14)? Die Gefährten reisen bis

APPIFOR

dem "Markt des Appius" und werden dort, wie in

TRES TABERNÄ

("drei Gaststätten/drei Hütten") von römischen Brüdern, die von ihnen gehört hatten, nach ROM der "Erhabenen" geleitet. Dort darf Paulus in einer Mietwohnung unterkommen, von einem Soldaten bewacht. In dieser wirkt er zwei Jahre lang.

In Apg 28,16 kommt das "wir" zum letzten Mal vor. Alle Gefährten "verschwinden" aus dem Bericht, auch der Berichterstatter Lukas.

Es bleibt Paulus "allein". Ist dies wiederum ein Hinweis auf das Α+Ω ("Alpha + Omoga") und "Jesus allein" (vergl. Matth. 17,8)?

DREI HÜTTEN

"Drei Gaststätten" oder "drei Hütten" heisst der letztgenannte Ort vor Rom, TRION TABERNON. Diese drei Hütten weisen den Bibelkenner sofort auf andere "drei Hütten" hin, die von Matthäus 17,4 - den Ausspruch von Petrus auf dem Berge der Verklärung. Äussert Petrus hier ganz spontan (siehe Parallelstellen in Luk. 9 und Mark. 9) eine Anspielung auf das „Hüttenbauen" des Laubhüttenfestes?

Es scheint, als ob Jesus auf dem Berg der Verklärung seine Verherrlichung zeigte und auch somit die Verherrlichung seiner Gemeinde. Er erhält sein Lichtkleid nach der Auferstehung zuerst. Wenn die Gemeinde aufersteht oder verwandelt wird - bei seiner Wiederkunft - erhalten es die Gläubigen auch. Die Verwandlung geht der allgemeinen Entrückung voran, irdisch-schwere Körper können nicht in den Luftraum gerückt werden. Bitte dazu diese Texte lesen: 1. Korinther 15,50-52 und 1. Thessalonicher 4,16-17 zusammen mit Matthäus 16,28 bis 17,9. Kapitel 16,28 erwähnt Menschen, "die den Tod nicht schmecken werden, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reiche". Das können am ehesten Petrus, Jakobus und Johannes sein. Denn diese drei werden sechs Tage später mit auf den Berg der Verklärung genommen. Und somit sehen sie des Menschen Sohn "in seinem Reiche" der Herrlichkeit und des Lichts.

Das Laubhüttenfest gilt nicht nur als Erntedankfest sondern beinhaltet viel mehr in der Symbolik der kommenden Dinge. Die Menschen müssen z.B. in "Häuser" umziehen, die Licht durchlassen, in denen man gesehen wird. Unsere Körper - Häuser, siehe 2. Kor.5,1-4 - werden als Lichtkörper gesehen nach der Verwandlung, wir ziehen aus den "Lehmhäusern" aus!

Nun, die DREI GASTSTÄTTEN oder DREI HÜTTEN ist die letzte Station, die vor Rom genannt wird ... ein Hinweis, dass die Gemeinde "ihr Laubhüttenfest" noch VOR Ankunft "in Rom" erwarten kann? Siehe auch weitere Anmerkungen in Teil 3, Kapitel 1 "Zahlen: die Zahl DREI".