Kapitel 9

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Ist der Frau erlaubt zu lehren?

Gedanken zu dem oft zitierten Text aus 1. Tim. 2,8-14

"Ich will nun, dass die Männer an jedem Orte beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung. Desgleichen auch, dass die Weiber in bescheidenem Aeussern mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit sich schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern was Weibern geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke. Ein Weib lerne in der Stille in aller Unterwürfigkeit. Ich erlaube aber einem Weibe nicht, zu lehren, noch über den Mann zu herrschen, sondern still zu sein, denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva; und Adam wurde nicht betrogen, das Weib aber wurde betrogen und fiel in Übertretung. Sie wird aber gerettet werden in Kindesnöten, wenn sie bleiben in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit."

Beten soll also die Frau wie der Mann ("Desgleichen..."). Die Frau betet nicht nur, sie weissagt auch. Dies wird im Text 1. Kor. 11,5 vorausgesetzt. Was bedeutet "weissagen" (im griechischen "prophezeien")? 1. Kor. 14,3 sagt es in einem Satz: "Wer aber weissagt, redet den Menschen zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung."

1. Sie (die Frau) redet zur "Erbauung", griechisch OIKODOMÄ. Das bedeutet, dass sie durch ihre Rede "das Lebenshaus" (OIKOS = Haus) eines Menschen stärkt und in sein Lebens- und Arbeitsgebiet hineinspricht (OIKODOMÄ, siehe das Wort "Domäne"). Also sehr umfassend durch Worte mitgestaltet und "lehrt"!

2. Sie (immer noch die Frau) redet zur "Ermahnung" oder besser: zur Ermutigung, griechisch PARAKLÄSIS. Mit wieviel Mitteln kann man ermutigen! Ist auch eine Art „Lehre" ...

3. Sie redet zum "Trost", griechisch PARAMYTHIA. Hier ist das Wort "MYTHOS" ersichtlich. Also Trost im weitesten Sinne, auch mit "Geschichten" zum Beispiel. Wo fängt "Lehre" an, wo hört sie auf?

"Weissagen" ist also ein Teil der Lehre im Allgemeinen und oft "Lehre pur" für den Empfangenden!

Dennoch wollen wir noch ein wenig tiefer in den Text einsteigen:
V. 11: Wieso soll eigentlich eine Frau "lernen", wenn von vornherein das "lehren" ausgeschlossen wäre? Lernt man als Frau nur für sich und als Mann für sich und andere? Wieso würde Gott diesen Unterschied machen, wenn er doch beide Geschlechter mit gleichen (auch "Lehr-") Gaben beschenkt?

Nun - eine Frau "lerne in der Stille" sagt der Text. Stille, griechisch HESYCHIA. Es bedeutet nicht nur "den Mund halten", sondern viel mehr, nämlich "in Friede, Ruhe" und gar "in Freude" sein. In Friede, Ruhe und Freude soll sie lernen können!

Legen wir nun die Betonung auf den Textteil "... noch über den Mann zu herrschen". Das "noch" weist auf eine Texteinheit der beiden Aussagen hin. Also eher „nicht lehren den Mann, noch über ihn zu herrschen". Hier weisen wir nochmals auf Seite 80 hin, den Abschnitt "Die Hilfe - der Helfer". Das gr. Wort AUTHENTEIN d. h. "mit eigenen Waffen bekämpfen, eigenmächtig handeln, eigene Waffen einsetzen" weist ja auf die Gefahr des typisch "weiblichen Herrschens" hin. (Siehe auch Kapitel "Manipulation").

Die Vermutung, dass es sich in diesem Timotheus-Text eher um ein "Herrscherverbot" der Frau als um ein "Lehrverbot" handelt, drängt sich um so mehr auf, dass ja auch der Titus-Text (Titus 2, 3-4) von Bibelkennern berücksichtigt wird:
"... die alten Frauen desgleichen in ihrem Betragen, wie es dem heiligen Stande geziemt, nicht verleumderisch, nicht Sklavinnen von vielem Wein, Lehrerinnen des Guten; auf dass sie die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, ..."

Lehrerinnen des Guten!! Insbesondere die Liebe zu lehren, das wohl höchste Lehrgut überhaupt!

Was zum Wort "Unterwürfigkeit, Unterordnung" aus dem Text-Teil "eine Frau lerne in der Stille in aller Unterwürfigkeit" zu sagen ist, darauf gehen wir in der folgenden Text-Betrachtung näher ein.

Die Frau schweige!?
"Frauen - schweigt! Seid unterwürfig! Lest das Wort aus 1. Kor. 14,34-37 und seht selbst." Ist das so? Waren manche harten Worte an Frauen so gerechtfertigt? Gehen wir genau in den Text, und fangen bei Vers 30 an: alle sollen schweigen, ob Mann oder Frau, wenn jemand eine Offenbarung hat. Also auch der Mann...

V. 31: Alle können prophetisch reden, Mann oder Frau, damit alle lernen.

V. 32: Hier wird auf das "Untertansein" der Geister hingewiesen, also sich unter Kontrolle des Geistes halten, nicht „losplatzen" oder sonst sich ungebührlich verhalten, Erklärung im nächsten Vers:

V. 33: ... weil Gott (oder Gott der Geister der Propheten vergl. Offenbarung 22,6) Ordnung wünscht.

V. 34: Hier steht das Schweigen der Frauen, das "Nichtreden". Reden hat mehrere Worte im Griechischen, hier steht "LALEIN". Das deutsche Wort "lallen" kommt daher! LALEIN = "Töne von sich geben, sprechen". Der Unterschied zu dem Wort LEGEIN, das auch für "sprechen" gebraucht wird, liegt hierin:

LALEIN betont die Form, die Art und Weise, den Ton der Rede. (Darum "Zungenreden" mit LALEIN gebildet wird.) LEGEIN betont den Inhalt der Rede. V. 34 weist auf das leider im Orient weit verbreitete Plappern der Frauen in den Gottesdiensten hin.

Vers 34 weist auch auf das „Untertan sein" hin. Was ist das eigentlich? Das griechische HYPOTASSO, (als Stamm TASSO mit allen Abwandlungen) geht in die Richtung "stellen, an einen Platz stellen, einsetzen", dann mit Vorsilbe HYPO "darunterstellen, darunterordnen, unterordnen", u.a. Es geht nicht so sehr um den "Gehorsamseffekt" sondern eher um den "Platzeffekt". Am richtigen Platz stehen, an den richtigen Platz gestellt sein, etc. So tönt das "Untertan sein" schon anders!

V. 34B: Der Nachsatz "wie es auch das Gesetz sagt" hat vielen Auslegern schon den Kopf zerbrochen... der eine weist auf den Talmud hin, der andere versucht aus dem Gesetz Mose (die ersten fünf Bücher der Bibel) eine klare Stelle zu finden, wieder ein anderer weist auf weltliche Gesetze hin (= kulturbedingt) u. s. w.

Es ist schwer, diesen Nebensatz einzuordnen. Der Talmud ist es bestimmt nicht - Paulus würde dieses ausserbiblische Buch mit all den Ungereimtheiten, die darin stehen, nicht "das Gesetz" nennen!

Am ehesten wird Paulus wohl 1. Mose 3,16 meinen, weil dort das "Herrschen" des Mannes über die Frau erwähnt wird. Doch genau das dürfen wir nicht aus dem Zusammenhang reissen! Hier ein Versuch der „Einbettung":
1. Mose 3,15 nennt man das "Proto"- oder "Ur"- Evangelium, weil dort der Sieg über den Bösen steht. Ein absoluter Sieg durch Christus! Verse 16 - 19 beschreiben die Problematik der Folgen der Sünde, die Folgen, die das Gesetz "des Todes" bringt. Doch sind wir in Christus nicht Befreite vom Gesetz? Erfüllte Jesus, in der Fülle der Zeit gekommen, das Gesetz? (Galater 4,4 und Matthäus 5,17).

Der Same der Verheissung kam - vergleiche 1. Mose 3,19 ff mit 1. Mose 3,15. Auch kam der befreiende Glaube - Galater 3,22. Und nun weiter Verse 23-28... Wir sind nicht mehr unter dem Gesetz. Vers 28 als Krönung: "Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Weib; denn ihr alle seid einer in Christo Jesu."

Weder Mann noch Frau - ihr seid alle eins in Christus! Folglich gilt das Gesetz auch nicht mehr für die Frau: Sie muss nicht mehr in Schwangerschaften leiden (kann es aber...), sie muss nicht mehr Verlangen nach dem Manne haben (kann es aber...), sie muss nicht mehr vom Manne beherrscht werden (kann es aber...). Genausowenig wie Männer unter Christus mit Mühsal das Essen verdienen müssen (können es aber...) oder genausowenig wie jeder Acker Dornen und Distel tragen muss, usw. Und genausowenig wie alle Männer beim Tode zurückkehren zum Staub der Erde - denn verheisst nicht Christi Kommen z. B. Körperverwandlung in Herrlichkeit für Millionen, die dann leben werden (1. Kor. 15,51 + 52)?

Vers 35: Um der Ordnung willen in den Gemeindegottesdiensten werden die Frauen, die Männer haben, aufgefordert, Fragen zuerst zuhause zu klären. Hatten sie gar - kulturell bedingt - weniger Zugang zur Bildung? Waren Frauen gar "lernbegieriger" und sollten ihre vielleicht weniger "lernbegierigen" Männer zuhause zum Gottes Wort Erforschen reizen? Einige Fragen bleiben offen...

V. 36-37 richtet sich wahrscheinlich an ALLE Korinther in den Gemeinden, nicht NUR an Frauen. Schliesslich fragten die Korinther, die leitenden Männer, Paulus durch Briefe um Erhellung von Fragen des praktischen Gemeindelebens (vergl. 1. Kor. 7,1).